Besser verdienende Partnerin? Kein Problem fürs männliche Ego!

17.11.2014 Katharina Hemmelmair
90 Prozent der Single-Männer würden sich nicht daran stören, wenn ihre Partnerin mehr verdienen würde als sie selbst. Vor allem Männer mit höheren Bildungsabschlüssen können auf Beziehungserfahrungen mit besser verdienenden Partnerinnen verweisen. Nur ein Drittel von ihnen gibt an, dass dieser Umstand zu Spannungen in der Partnerschaft geführt hat. Dies ergab eine Umfrage von Parship.ch, der grössten Partneragentur der Schweiz, bei insgesamt 1055 Deutschschweizer Singles.

Zürich,

Am International Men’s Day, der am 19. November 2014 stattfindet, stehen neben Themen wie Gesundheit von Jungen und Männern oder die Hervorhebung männlicher Vorbilder, auch die Förderung der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen im Fokus.

Schweizer Männer scheinen sich vom traditionellen Rollenmodell, nach welchem der Mann der Besserverdienende in einer Partnerschaft sein sollte, verabschiedet zu haben: Lediglich 2% der Befragten beanspruchen diese Rolle für sich (bei den unter 40-Jährigen 5%). Der überweigende Teil der alleinstehenden Männer (90%) gibt an, dass es irrelevant ist, ob ihre zukünftige Partnerin mehr oder weniger verdient als sie selbst.

PARSHIP-Psychologin Barbara Beckenbauer erklärt, warum eine besserverdienende Partnerin keine Bedrohung fürs männliche Ego mehr darstellen muss: „Die meisten Männer gehen tatsächlich lockerer mit einer besser verdienenden Partnerin um, als dies früher der Fall war. Wenn der Einkommensunterschied nicht zu gross ist, gewinnen bei so einer Konstellation unter dem Strich beide Partner.“ Doch die Psychologin sieht auch die andere Seite der Medaille: „Viele Frauen scheinen den Männern die Lockerheit in dieser Hinsicht nicht abzunehmen und fürchten, dass ein Einkommensgefälle zugunsten der Frau die Beziehung belasten könnte. Nebst dem Umstand, dass Frauen generell oft weniger verdienen als Männer und in so einem Fall noch schlechter gestellt wären, mag dies mit ein Grund sein, weshalb jede Zehnte offen zugibt, dass diese Konstellation nichts für sie wäre.“

Besseres Einkommen der Partnerin eher unterschwellig ein Thema

Tatsächlich scheint die Umfrage diese Einschätzung zu bestätigen, denn so entspannt Männer sich in der Einkommensfrage auch geben: Eine besser verdienende Partnerin hatte weniger als die Hälfte der Männer (43%). Universitätsabsolventen bzw. Akademiker verfügen diesbezüglich über die meiste Erfahrung (52%). Männer mit einer abgeschlossenen Berufs- oder Mittelschule (44%) oder einem Fachhochschul- bzw. Technikum-Abschluss (35%) lebten wesentlich seltener in einer Partnerschaft mit einer Besserverdienerin.

Für rund ein Drittel der Männer mit höheren Ausbildungsabschlüssen scheint eine solche Konstellation nicht gänzlich unproblematisch gewesen zu sein: 10% der Uniabsolventen geben an, dass es deswegen häufig zu Unstimmigkeiten gekommen wäre (Fachhochschulabsolventen 2%) und weitere 24% haben das Gefühl, dass das Einkommen zwar keinen Streit ausgelöst hat, aber dennoch unterschwellig immer als Thema präsent war (Fachhochschulabsolventen 20%).

Die Vorteile in einer Partnerschaft mit einer besser verdienenden Frau sehen Männer vor allem im Umstand, dass man sich als Paar mehr leisten kann, die Frau selbständiger und unabhängiger vom Partner ist und Männer dadurch die Möglichkeit erhalten, beruflich kür- zer zu treten oder sich eine Auszeit zu gönnen.

Frauen denken bezüglich Einkommen traditioneller als Männer

Ein erheblicher Teil der Single-Frauen nimmt die Einkommensfrage nicht so locker wie die Männer: Ein Drittel von ihnen (35%) bevorzugt einen Partner, der mehr verdient als sie selbst. Vor allem für Frauen zwischen 40 und 50 Jahren scheint dies ein grosses Anliegen zu sein (46%). Zwar geben 70% der Frauen an, zumindest einmal in einer Beziehung mit einem schlechter verdienenden Partner gewesen zu sein (Frauen mit Uni- oder Fachhochschulabschluss sogar 75%), doch haben sie diesen Umstand offenbar belastender empfunden als die befragten Männer. Wie auch bei den Männern kam es bei Frauen mit Uni- Abschluss (23%) am häufigsten zu Unstimmigkeiten (Fachhochschulabsolventinnen 10%), während es bei weiteren 33% zumindest als Thema präsent war (Fachhochschulabsolventinnen 24%).