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Vom Date zur Beziehung

Kleine Lügen beim Kennenlernen ignorieren?

Manchmal gibt es sie, die perfekten ersten Dates - alles, was zurückbleibt, ist ein Eindruck von optimaler Harmonie. Die Dinge, die der andere offenbart hat, klingen wie die Erfüllung eines Traumes, da alles so ist, wie schon immer ersehnt: das richtige Alter, die richtige Lebenseinstellung, der richtige Job ... Mitunter scheint es wahrlich zu schön, um wahr zu sein - hin und wieder trifft das dann auch tatsächlich zu: Das so wunderbar anmutende Bild, das der andere von sich gezeichnet hat, entpuppt sich als Farce. In solchen Momenten drängt sich ein Gedanke auf: "Wie gehe ich mit Lügen beim Kennenlernen um? Ignoriere ich sie? Gehe ich auf Konfrontation? Beende ich die Beziehung, ehe sie beginnen konnte?"

Warum lügen Menschen?

Wer von sich selbst behauptet, nie zu lügen, lügt; entsprechend lässt sich schlicht und ergreifend feststellen: Jeder Mensch hat irgendwann in seinem Leben gelogen und wird es mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit immer wieder tun. Das Lügen gehört zur menschlichen Natur. Nur in seltenen Fällen verbergen sich dahinter böse Absichten; zumeist sind andere Gründe dafür verantwortlich, dass gelogen wird:

  • Zeitnot, die eine ausführliche Darstellung der Situation unmöglich macht
  • Feinfühligkeit, da die Gefühle des Gegenüber nicht verletzt werden wollen
  • der Wunsch, von anderen beachtet, wertgeschätzt und gemocht zu werden
  • Selbstschutz, da es Dinge gibt, die niemand erfahren soll
     
Zwei Menschen beim ersten Date Kleine Lügen beim ersten Date?  –   © istockphoto.com

Unter der Annahme, dass Lügen nicht immer niederträchtigen Ursprungs sein müssen, kann es nicht schaden, sich zu überlegen, welche Gründe der Andere gehabt haben könnte, beim ersten Date oder Kennenlernen zu lügen. Unter Umständen fällt es dann leichter zu entscheiden, wie mit kleineren Lügen umgegangen wird:

Lügen aus Scham

Nicht jeder ist auf alles in seinem Leben stolz. Manch einer ist mit seiner Arbeit unzufrieden, ein anderer mit seiner Wohnsituation ... Solche wunden Punkte hat jeder, weshalb derartige Themen lieber gemieden werden. Bei ersten Dates kennt man einander noch nicht gut genug, als dass Rücksicht auf derartige Schwachstellen genommen werden könnte. Für jeden dürfte nachvollziehbar sein, dass, auf solche Themen angesprochen, eine Notlüge angenehmer ist, als sich die vermeintliche Schmach zu geben, die Wahrheit zu sagen. Insbesondere dann, wenn noch ein weiterer Grund mit hineinspielt:

Lügen aus Unsicherheit

Menschen, die nicht mit beiden Beinen im Leben stehen oder deren Selbstwertgefühl nicht sonderlich solide ist, sehen Lügen beim Kennenlernen unter Umständen als Möglichkeit, ihre empfundenen Unzulänglichkeiten zu kaschieren oder zu kompensieren. Entsprechend wird das übergangsweise Wohnen bei den Eltern lieber als Wohngemeinschaft formuliert, die Arbeitslosigkeit als kreative Pause oder finanzielle Engpässe als Sparsamkeit.

Lügen, weil man nicht bei der Sache ist

Jeder wird vermutlich schon einmal eine Situation erlebt haben, in der er nicht ganz bei der Sache und mit den Gedanken wo anders war. Beim ersten Date kann dieser Umstand auf Nervosität zurückgeführt werden, bestenfalls auch darauf, dass der Andere einem buchstäblich den Verstand raubt. Da passiert es schnell, dass nicht mehr ganz aufmerksam zugehört wird oder sich der Mund selbstständig macht. Unter solchen Umständen wird versehentlich schon mal einer Leidenschaft für einen bestimmten Musikstil oder vergleichbaren Dingen zugestimmt, für die eigentlich keine Vorliebe besteht.

Lügen, um dem Anderen zu gefallen - komme was wolle

Zwar ist es fragwürdig, einer an sich unschönen Tätigkeit - dem Lügen - eine romantische Ursache beizumessen, dieser Grund kann jedoch nicht anders umschrieben werden: Manchmal gefällt das Gegenüber auf Anhieb so sehr, dass schon nach wenigen Minuten nicht mehr vorstellbar ist, jemals wieder ohne diesen Menschen sein zu können. Wenn nun also eben dieser Mensch erzählt, wie schön er etwas findet, wie sehr ihn bestimmte Themen abstossen, was er sich vom Leben erwartet ... Wer wollte da schon widersprechen? Wenn dieser wunderbare Mensch Katzen mag, Festivals abstossend findet und über kurz oder lang in einem verschlafenen Dorf in der ländlichen Idylle leben möchte, dann will man das eben auch! Hauptsache, der andere mag einen und sieht sich durch die vermeintlichen Gemeinsamkeiten darin bestärkt, weiteren Treffen zuzustimmen.

Die andere Seite der Lügen

Die bisher geschilderten Gründe sind harmlos; die meisten werden sich selbst vermutlich irgendwo wiederfinden, da sie selbst schon ähnliche Anstösse hatten, ein klein wenig zu flunkern. Allerdings gibt es auch andere Motive, die weitaus strenger getadelt werden und nicht als "das macht doch ohnehin jeder" abgetan werden sollten:

  • Lügen, mit denen der andere bewusst auf eine falsche Fährte geführt und absichtlich verletzt werden soll
  • Lügen, die den anderen ausschliesslich und schnell für seine Zwecke gefügig machen sollen (z. B. finanzieller oder sexueller Art)
  • Lügen, die symptomatisch auftreten, beispielsweise aufgrund von Pseudologie, dem krankhaften Verlangen danach, zu lügen

Ignorieren? Konfrontieren? Misstrauen? Verzeihen?

Zu unterscheiden, aus welchen Gründen der andere einen beim Kennenlernen oder ersten Date angelogen hat, ist mitunter nicht leicht, vielleicht gar unmöglich. Daher sind noch andere Aspekte relevant, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob kleinere Lügen entschuldbar sind oder nicht.

  • Unter welchen Umständen sind die Lügen ans Licht gekommen?
  • Bezüglich welcher Lebensbereiche wurde gelogen?
  • Wie wichtig sind einem selbst diese Themen?
  • War man selbst ehrlich?
  • Wie hätte man selbst anstelle des anderen gehandelt?
  • Wie detailreich und systematisch war das Lügengebilde?
  • Wie oft wurde gelogen?
  • War die Lüge reaktiv oder selbst produziert?
Wütende Frau Ignorieren oder Konfrontieren?  –   © istockphoto.com

In diesem Sinne können kleine Lügen dann ignoriert bzw. entschuldigt werden, wenn der Andere selbst eingesteht, beim ersten Treffen nicht ganz ehrlich gewesen zu sein und dies bestenfalls noch mit einem gut nachvollziehbaren Grund zu entschuldigen weiss. Vielleicht hätte man selbst unter ähnlichen Umständen ebenfalls zu einer kleinen Lüge gegriffen? Die Flunkereien des Anderen verlieren auch dann an Brisanz, wenn man selbst nicht ganz ehrlich war und sich in der einen oder anderen Situation etwas schillernder dargestellt hat, als man eigentlich ist. In diesem Fall kann dem anderen wirklich nichts vorgeworfen werden.

Inwieweit eine Lüge ignoriert werden will, hängt auch davon ab, wie wichtig einem das Thema ist, das die Lüge tangiert. Manch einem mag egal sein, ob der Andere erst wenige Wochen getrennt ist, obwohl er Jahre vorgegeben hat, wohingegen andere diese Lüge (aus Angst, Lückenbüsser zu werden) vielleicht nicht einfach hinnehmen wollen. Wenn Lügen nicht nur eine beschönigende Antwort auf eine unangenehme Frage waren, sondern selbst aktiv produziert wurden und darüber hinaus noch sehr detailliert, ausführlich sowie augenscheinlich perfekt in das Gesamtbild integriert und nur durch einen unglücklichen Zufall ans Licht gekommen sind, sollten auch künftige Aussagen mit Vorsicht genossen werden. Falls sich herausstellt, dass der Andere auch bei weiteren Treffen nicht mit dem Lügen aufhören kann, ist es vermutlich besser, den Kontakt zu beenden, ehe zu viele Gefühle im Spiel sind. Auf Dauer angelogen zu werden ist keine fruchtbare Basis für eine erfüllende Partnerschaft!

Lügen sollen hiermit keinesfalls bagatellisiert werden, allerdings ist Lüge nicht gleich Lüge. Daher sollte versucht werden, sich zwar kritisch und mitunter etwas misstrauisch, jedoch auch reflektiert und offen genug mit ihnen auseinanderzusetzen, um eine angemessene Entscheidung treffen zu können.

Wichtig ist das eigene Glück! Entsprechend sollten Lügen nur dann ignoriert oder verziehen werden, wenn sie nicht gewohnheitsmässig angewandt werden, das eigene Wohlbefinden unangetastet lassen und einer vertrauensvollen Beziehung nicht im Wege stehen.

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