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Die Vorauswahl

Kompromisse bei der Partnersuche

Muss es wirklich der "Traumpartner" sein - oder könnten Sie sich auch für die Liebe auf den zweiten oder dritten Blick öffnen? Von welchen Punkten Ihrer "Wunschliste" sollten Sie keinesfalls abrücken? Gedankenanstösse für Sie.

Kompromisse bei der Partnersuche © Fotolia

Eigentlich suchte sie ja diesen markanten Typ mit vollem Haar, am liebsten Botschafter von Frankreich oder zumindest Universitätsprofessor. Den Mann ihrer Träume eben. Stattdessen lernte sie bei Freunden einen Keramiker kennen, humorvoll, sehr belesen und mit blank schimmerndem Schädel. Keine Liebe auf den ersten Blick, aber nach dem zweiten oder dritten kribbelte es doch - der "Falsche" erwies sich als Mr. Right.

Auf den zweiten Blick

Angenommen, Sie erwägen eine ernsthafte Beziehung, sind aber (noch) nicht Hals über Kopf verliebt. Es ist völlig legitim, mögliche Kandidaten mit Ihrem privaten "Suchraster" abzugleichen. Die Kunst besteht darin, das richtige Raster zu erstellen und dieses zudem flexibel einzusetzen. Es wäre doch schade, wenn Sie durch ein vorschnelles, an einem äusserlichen Detail festgemachtes Urteil einen Menschen verpassen, der perfekt mit Ihnen harmonieren würde. Die Frau mit dem Doppelnamen oder der Mann mit dem bayrischen Dialekt sind vielleicht ganz anders, als Sie denken. Das finden Sie aber nur heraus, wenn Sie sich auf einen ersten Dialog einlassen. Ausserdem: Doppelnamen und Dialekte kann man ablegen, Humor und Zuverlässigkeit jedoch nur schwer nachträglich erwerben.

Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, sich mit jemandem nur zufrieden zu geben ("... besser als allein zu bleiben"). Sie können bei der Partnerwahl nur dann aussichtsreiche Kompromisse eingehen, wenn Sie herauszufinden, was für Sie ganz persönlich stimmig ist.

Nur ein kleiner Makel?

Es gibt Dinge, mit denen können Sie nicht leben. Werden Sie sich darüber klar, worin diese wirklich bestehen, was Ihnen sozusagen ein Leben lang gegen den Strich gehen würde. Wenn Sie beispielsweise für sich wissen: auf gar keinen Fall ein Partner ohne Studium, sollten Sie auch dabei bleiben. Bedenken Sie aber auch, dass es immer etwas an Ihrer neuen Liebe geben wird, das Sie gern ändern würden, wenn Sie zaubern könnten: den Kontostand, das Gewicht, die frechen Söhne mitten in der Pubertät ... Es kommt nur darauf an, ob Sie die Abweichung von Ihrem Ideal als blossen Makel tolerieren können oder ob es sich in Ihren Augen um einen grundlegenden Fehler handelt. Prüfen Sie Ihre Meinung zu Frauen mit kleinen Kindern/zweimal geschiedenen Männern oder auch Partnern, die zehn Jahre nach Ihnen auf die Welt gekommen sind. Mancher wirkt mit 50 wie 40 und umgekehrt. Wenn Sie bei Ihrer Suche von vornherein Menschen ausgrenzen, die einige Jahre jünger oder älter sind als Sie, nehmen Sie sich vielleicht eine grosse Chance.

So manche Idealvorstellung hat man nur von anderen übernommen und kann sie ebenso gut über Bord werfen: Finden Sie Männer mit stärkerer Körperbehaarung, die sich auch im Hemd kaum verhehlen lässt, wirklich so schrecklich? An dieser Stelle ist auch das Stichwort Marktwert zu nennen: Wenn Sie nicht wie Tom Cruise aussehen, erwarten Sie lieber keine Penélope Cruz - ausser vielleicht, wenn Sie so gut verdienen wie Herr Cruise ... Haben Sie sich erst mal verliebt, wird sowieso vieles anders: Die Frau mit dem kurzsichtigen Blick hinter dicken Brillengläsern ist für Sie die schönste auf der Welt. Oder: Sie sehen glatzköpfige Herren plötzlich mit ganz anderen Augen, nur weil auch Ihr Liebster keinen Kamm mehr braucht.

Tolerant - aber nicht blind

Klären Sie für sich, welcher Bildungs- und Gesellschaftsschicht Ihr zukünftiger Schatz unbedingt angehören sollte. Wer hier etwas aufgeschlossener ist, kann viel gewinnen, vielleicht sogar von der Erfahrungswelt des anderen profitieren. Warum sollten nicht auch die Anästhesistin und der Handwerksmeister zusammen glücklich werden? Wenn zwei Menschen miteinander zu vereinbarende Werte haben und sich gegenseitig respektieren, gibt es kaum eine Bindung, die nicht möglich ist. Mit Kompromissen in Einstellungsfragen sollten Sie vorsichtiger sein als bei den genannten Äusserlichkeiten. Wenn Sie Punkrock lieben und Ihre neue Bekanntschaft Andrew Lloyd Webber, können Sie sich vermutlich noch arrangieren. Ein Mann mit klassisch-griechischem Profil und interessantem Job nützt Ihnen jedoch herzlich wenig, wenn Sie nicht mit ihm lachen können und seine Vorstellung von Partnerschaft im Allgemeinen und Treue im Besonderen nicht teilen. Auch wenn Partner viel voneinander lernen können: Hoffen Sie nicht darauf, den anderen nach Ihren Wünschen zurechtbiegen zu können - fast immer ist das vergebene Liebesmüh.

Annemarie Lüning/Parship

Bücher zum Thema

Nina Deißler: So verlieben Sie sich richtig. Wie man seinen Traumpartner sucht und findet. Humboldt 2009

Ursula M. Wagner: Suche Mann ohne Haken. Wie Sie den Richtigen finden und mit ihm glücklich werden. Droemer/Knaur 2008

Stefan Woinoff: Überlisten Sie Ihr Beuteschema. Warum immer mehr Frauen keinen Partner finden - und was Sie dagegen tun können. Mosaik 2007

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