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Besondere Situationen

Lügenbaron? Nein danke!

Anonymes Kennenlernen im Internet ist eine tolle Sache. Allerdings kann sich hinter verheißungsvollen Steckbriefen und charmanten E-Mails auch mal eine Mogelpackung verstecken. Wie enttarnt man Herrn oder Frau Münchhausen? Und wie groß ist das Risiko wirklich, von Liebeskandidaten aus dem Netz beschwindelt zu werden?

Lügenbaron? Nein danke! © Fotolia

"Wenn die Leute aus den Kontaktanzeigen wirklich so toll wären, bräuchten sie nicht lange nach einem Partner zu suchen." - "Im Internet wird gelogen, dass sich die Balken biegen." Sätze wie diese kennen Sie bestimmt. Und sind vielleicht verunsichert, schließlich wollen Sie sich keine Enttäuschungen einhandeln. Mit unseren Tipps gehen Sie auf Nummer sicher.

Alles bloß Schwindel?

Es stimmt: Im Internet wird gelogen. Laut einer Studie des Sexualberaters Kurt Koll sollen 35 Prozent der weiblichen und sogar 80 Prozent der männlichen Nutzer von Chatrooms und Single-Börsen in Deutschland und Österreich schon einmal mehr oder minder falsche Angaben zu ihrer Person gemacht haben. Angesichts dieser Zahlen in übergroßes Misstrauen zu verfallen wäre jedoch falsch. Schließlich kommt es darauf an: Wo wird gelogen - und wie? Chats sind selten "schwindelfreie Zone", zumal wenn es in erster Linie um anzügliches Geplänkel geht. Dass man Ihnen in einem ernsthaften Forum einen Bären aufbindet, ist aber keineswegs die Regel. Am häufigsten sind noch kleine "Verbesserungen": die nach unten korrigierte Altersangabe oder Kinderzahl, die aufgebesserte Körpergröße oder Einkommenshöhe. Derartige Flunkereien mag man verwerflich finden; festzuhalten bleibt, dass dahinter in der Regel ernsthaft suchende Singles stehen. Komplett erfundene Biografien sind auf seriösen Sites sehr selten und fliegen meist frühzeitig auf. Lassen Sie sich nicht entmutigen - schließlich könnten Sie sich auch in einer Bar oder auf einer Party jemanden kennen lernen, der Ihnen gegenüber nicht ehrlich ist.

Der Lügenbaron

Wie erkennt man aber notorische Mogler? Ein Beispiel der extremeren Art: Astrid (52) war von ihrer Internet-Liebe Rolf gleich wie verzaubert. "Alles, was ich mir von einer Beziehung erhoffe, wurde wahr." Da war es zu verschmerzen, dass sie auch nach sechs Wochen noch nie in Rolfs Haus gewesen war. Und schließlich lud er sie ja jedes Wochenende aufs Neue zu sich ein. Es kam ihm nur immer in letzter Minute etwas dazwischen. Stutzig wurde Astrid erst, als Rolf ihr seinen Traum enthüllte: eine mehrjährige Weltumsegelung, natürlich mit ihr. "Ich dachte, vielleicht ist er ja niederbayerischer Bauernerbe, Feld verkauft für Autobahn ..." Auf Fragen reagierte Rolf ausweichend: "Vertrau mir!" Astrid tat es - bis zu dem Tag, an dem sie beim Anruf unversehens Rolfs Mutter in der Leitung hatte. Dabei hatte Rolf Astrids letzten Besuch abgesagt, weil seine Mutter gestorben sei ... Verletzt brach Astrid den Kontakt ab. Wie weit das falsche Spiel ihres vermeintlichen Traummannes ging, ob er noch bei Muttern wohnte oder gar bei einer Ehefrau - es interessierte sie nicht mehr. Und das Fazit: Natürlich ist es in Ordnung, neuen Bekanntschaften einen gewissen Vertrauensvorschuss zu gewähren. Sie sollten in den Mails und beim weiteren Kennenlernen aber auf bestimmte Zeichen achten; schließlich wissen Sie über Ihren Internet-Flirt ja nur das, was er selbst Ihnen mitgeteilt hat. Trauen Sie Ihrem Gefühl, wenn Ihnen etwas befremdlich erscheint.

Ohne rosarote Brille

Wenn Sie Ihren Flirt nie zu Hause besuchen dürfen, kann das ein Indiz dafür sein, dass Ihre Bekanntschaft etwas zu verbergen hat. Das gilt auch, wenn er oder sie trotz längeren Vorlaufs nur die Handy- oder Büronummer herausgeben mag, Verabredungen regelmäßig platzen lässt und Sie weder Freunden noch Verwandten vorstellt. Natürlich kann es für all dies auch harmlose Erklärungen geben. Es ist jedoch legitim, nachzuhaken - ohne Vorwurf. Wie reagiert der andere auf direkte Fragen? Werden diese womöglich ignoriert, mit flapsigen Sprüchen "abgebogen" ("Das ist zu diesem Zeitpunkt doch gar nicht wichtig ...") oder gar übertrieben heftig abgewehrt ("Liebe gründet sich doch auf Vertrauen!")?! Lügenbarone lieben große Gesten. Sie machen gewagte Versprechungen ("Ich kann jederzeit mit meinem Privatjet bei dir sein!") oder halten Sie mit dramatischen Schilderungen ihrer Lebensgeschichte in Atem. Die weibliche Variante lockt vielleicht mit sexueller Freizügigkeit, spielt dabei aber nur mit Ihren Sehnsüchten. Faustregel: Sehen Sie ganz genau hin, wenn etwas allzu traumhaft erscheint. Gönnen Sie sich Zeit, den anderen in allen Lebenslagen kennen zu lernen. Falls etwas Sie verunsichert, ohne dass Sie es genau benennen könnten, hilft es vielleicht, wenn Sie zunächst mit einem guten Freund darüber reden.

Ertappt - und dann?

Wer nur so tut, als ob er sich binden wolle, oder heimlich "Nebenbeziehungen" pflegt, eignet sich kaum mehr für eine vertrauensvolle Partnerschaft. Auch andere größere Lügengebäude - der Kabelträger, der sich als Programmdirektor von Pro7 ausgibt - disqualifizieren den Lügner; denn wer will schon mit dem Baron (oder der Baronin) von Münchhausen zusammen sein? Wenn Ihr Gegenüber Ihnen dagegen beim ersten Telefonat verschämt gesteht, fünf Jahre älter zu sein als im Internet-Steckbrief steht, oder er oder sie eine ähnliche kleine Mogelei auf dem Kerbholz hat, können Sie das, wenn Sie wollen, verzeihen und gemeinsam darüber lachen. Der Wunsch, die Wirklichkeit ein wenig zurechtzubiegen, ist sehr menschlich. Vielleicht haben Sie ja selbst schon mit dem Gedanken gespielt, sich so jung zu machen, wie Sie sich fühlen, oder den fast erwachsenen Sohn erst mal zu verschweigen, um nicht in die "Mutti-Schublade" zu rutschen. Allerdings begeben sich Mogler immer auf dünnes Eis. Die vielleicht größere Resonanz nützt wenig, wenn alle in Ihnen etwas sehen, was Sie nicht sind. Zudem tolerieren manche Menschen Unehrlichkeit grundsätzlich nicht. Viel besser ist es daher, Möglichkeiten zu nutzen, um die eigenen Rahmendaten zu differenzieren (z.B. "bin kein Oma-Typ"), sei es in den ersten Mails oder bei Parship.de schon im "Ich über mich". Bleiben Sie so authentisch wie möglich - um genau damit die richtigen Menschen anzusprechen.

Annemarie Lüning/Parship

Bücher zum Thema:

Stan B. Walters: Der kleine Lügendetektor. So erkennen Sie Unwahrheiten und lassen sich nicht täuschen. mvg 2002, 8,90 EUR - Wie man die Zeichen einer Lüge erkennt und an die Wahrheit herankommt.

Lillian Glass: Ich weiß, was Sie denken. Vier glasklare Methoden, Menschen zu durchschauen. Oesch 2002, 14,90 EUR - Leitfaden zur besseren Deutung von Sprache, Stimme, Mimik und Körpersprache.

Elisabeth Müller-Luckmann: Lügen haben viele Beine. Oder: Wie viel Wahrheit braucht der Mensch? Piper 2000, 7,90 EUR - Regt zum Nachdenken und zum Widerspruch an.

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