Die Sexualität von Paaren in der Schweiz hat sich während der Pandemie markant verbessert

30.05.2021 Katharina Hemmelmair

In einer aktuellen repräsentativen Studie sagen 52 Prozent der in Partnerschaft lebenden Schweizerinnen und Schweizer, dass sich ihr Sexleben seit der Pandemie intensiviert hat. So haben die Befragten öfter Zärtlichkeiten ausgetauscht, mehr Humor in ihr Sexleben gebracht, sich gegenseitig im Bett wieder neu kennengelernt und Hemmungen voreinander verloren. Vor allem für Männer – für Jüngere noch mehr als Ältere – hat sich das Sexualleben während Corona positiv verändert.

Zürich,

Ein Vergleich der Zahlen von 2019 und 2020 offenbart, dass es bei der Häufigkeit von Sex bei Schweizer Paaren wenig Veränderungen gibt. So gaben im Dezember 2019 44 Prozent der Befragten in Partnerschaft an, dass sie im vergangenen Halbjahr zumindest einmal pro Woche Sex hatten. Ein Jahr später tun dies 45 Prozent. Wie aber die neue, repräsentative Studie im Auftrag der Online-Partneragentur Parship.ch bei 1‘017 Frauen und Männern von 18 bis 69 Jahren in der Schweiz zeigt, geben die Befragten an, dass sich ihr Sexleben seit Anfang der Pandemie qualitativ klar intensiviert hat, wie folgende Tabelle illustriert:

Männer

18 – 49 Jahre

Männer

50 – 69 Jahre

Frauen

18 – 49 Jahre

Frauen

50 – 69 Jahre

Wir haben mehr Zärtlichkeiten ausgetauscht.

56% 52% 53% 42%

Wir haben wieder mehr Humor in unser Sexleben gebracht.

48% 30% 39% 29%

Wir haben Hemmungen voreinander verloren.

38% 27% 36% 21%

Wir haben uns wieder neu kennengelernt.

38% 23% 34% 27%

Wir haben neue Stellungen ausprobiert.

46% 19% 33% 11%

Wir haben die viele Zeit zuhause für mehr Sex genutzt.

39% 19% 28% 16%

Wir haben beim Sex wieder Sachen ausprobiert, die wir lange nicht mehr
gemacht haben.

36% 14% 30% 12%

Wir haben (neues) Sexspielzeug ausprobiert.

22% 10% 15% 5%

Wir haben andere Sexualpartner eingeladen.

9% 2% 4% 2%

Auffallend dabei ist, dass vor allem Männer – und hier die Jüngeren noch mehr als die Älteren – die Veränderungen, die sich während Corona in ihrem Sexleben ergeben haben, zu schätzen wissen. Insgesamt tauschten 55% der Männer und 49% der Frauen mit dem Partner mehr Zärtlichkeiten aus. Am meisten allerdings die18-29-Jährigen (66%) beziehungsweise jene, deren Partnerschaft erst bis zu zwei Jahre andauert (77%). Aber auch bei denen, die bis zu 15 Jahre zusammen sind, sind es noch mehr als die Hälfte (54%). Ausserdem werden folgende Ergebnisse illustriert:

  • 41% der Männer und 35% der Frauen haben wieder mehr Humor in ihr Sexleben gebracht. Dies gilt hauptsächlich für die 18-29-Jährigen (51%) und für Männer unter 50 (49% vs. Frauen 39%). Bei den über 50-Jährigen sind es rund 30%.
  • Ein Drittel der Männer und Frauen gibt an, Hemmungen voreinander verloren zu haben. Dies vor allem die unter 50-Jährigen (38% vs. Frauen 36%). Doch auch bei den Älteren ist es für ein Viertel der Männer und ein Fünftel der Frauen (27% und 21%) so.
  • Genauso viele (32%) haben den Partner, die Partnerin wieder neu kennengelernt, wiederum auch hier wieder vor allem die 18-29-Jährigen (41%) und 30-39-Jährigen (38%). Rund ein Drittel der Männer und ein Viertel der Frauen (35% vs. 25%) haben neue Stellungen ausprobiert.
  • Ein Viertel hat die viele Zeit für mehr Sex genutzt (31% vs. 24%) und wieder Sachen ausprobiert, die man lange nicht mehr praktiziert hat (27% vs. 23%) sowie neue Stellungen ausprobiert 35% vs. 25%).

Ihre Praxiserfahrung zeige, dass ein Teil der Paare in der Pandemie persönlich näher zusammengerückt und sich auch sexuell (wieder-)gefunden hat, sagt Parship.ch-Psychologin Dania Schiftan. Diese Paare aus allen Altersgruppen hätten für sich zu nutzen gewusst, dass es für einmal kaum Ablenkung von aussen gab und sie damit mehr Zeit für aktive Beziehungspflege und ihre Sexualität hatten. „In meiner Tätigkeit erlebe ich bereits Patienten, die sich sorgen, wie sie diese neu gewonnene Nähe und Intimität erhalten können, wenn die Ansprüche von aussen wieder zunehmen.“

 

Über die Studie: Die Studie wurde vom 20. bis 29. November 2020 vom digitalen Markt- und Meinungsforscher Unternehmen marketagent.com durchgeführt. Befragt wurden 1017 Frauen und Männer von 18 bis 69 Jahren in der Schweiz (Westschweiz, Raum Zürich, Raum Bern, Ostschweiz, Mittelland, Zentralschweiz, Nordwestschweiz und Graubünden).