Unterschiedliche politische Gesinnungen können bei Schweizer Paaren sogar zur Trennung führen

04.10.2019 Katharina Hemmelmair

Welche Rolle spielt die politische Haltung in der Beziehung von Schweizer Paaren? Wie eine neue, repräsentative Studie der Online-Partneragentur Parship.ch bei 1‘000 Frauen und Männern in der Deutsch- und Westschweiz zeigt, ist es für mehr als ein Drittel der Bevölkerung wichtig, dass sich ein (potenzieller) Partner für Politik interessiert. Je älter die Befragten, desto mehr wünschen sie sich einen Partner, mit dem sie über Politik diskutieren können. Und für rund jeden Fünften der unter 50-Jährigen wäre eine unterschiedliche politische Haltung gar ein Trennungsgrund.

Zürich,

Am 20. Oktober finden in der Schweiz die Parlamentswahlen statt. Wer einen Kurswechsel in seiner politischen Gesinnung vollzieht und anders wählt als bis anhin, riskiert unter Umständen seine Beziehung. Vor allem, wenn er oder sie sich in der Alterskategorie 18 bis 49 Jahre befindet. Dort gaben 22% aller Befragten der repräsentativen Studie im Auftrag von Parship.ch an, dass eine unterschiedliche politische Haltung ein Trennungsgrund wäre. 50 bis 69-Jährigen sind da wesentlich toleranter: nur 10% würden ihre Partnerschaft deswegen hinterfragen.

Überhaupt geniesst die Politik einen grossen Stellenwert bei Schweizer Paaren. Für mehr als ein Drittel der Schweizer ist es wichtig, dass sich ein (potenzieller) Partner für Politik interessiert (35%). Je älter die Befragten, desto wichtiger das Politinteresse (18-29 Jahre 27%, 60-69 Jahre 42%). Je jünger die Befragten, umso häufiger wollen sie allerdings wissen, welche politische Partei ihr Partner, ihre Partnerin wählt. Die jüngere Altersgruppe legt zudem mehr Wert darauf, dass ein Partner, eine Partnerin die ähnliche politische Haltung hat bzw. die gleiche Partei wählt. Dem Partner zuliebe eine andere Partei wählen würden lediglich 14 Prozent der Befragten, Jüngere etwas häufiger als Ältere.

Zürcher, Berner und Waadtländer haben beim Politinteresse die Nase vorn

Deutschschweizer sind stärker darauf erpicht als Westschweizer, einen politisch interessierten Partner zu haben (38% vs. 26%). Auch eine ähnliche politische Haltung ist den Deutschschweizern deutlich wichtiger als den Romands (42% vs. 27%).

Vor allem Zürcher haben punkto Politinteresse die höchsten Ansprüche: Sie möchten mit dem Partner über Politik diskutieren können (59%), legen Wert auf eine ähnliche politische Haltung (53%), möchten wissen, welche Partei der Partner wählt (49%) und findet es wichtig, dass die Partnerin die gleiche Partei wählt (21%). Auch Berner legen Wert auf einen politisch interessierten Partner (40%). Bei den Romands sind es die Waadtländer (36%), die sich mit diesem Wert deutlich von den anderen Westschweizern absetzen. Ganz anders die Mittelländer: Schweizweit wünschen sie sich am häufigsten einen unpolitischen Partner (54%).

In Genf haben zwar zahlreiche internationale Organisationen ihren Sitz, interessanterweise erwarten aber Genferinnen und Genfer nicht nur innerhalb der Westschweiz, sondern auch schweizweit am wenigsten politisches Interesse vom Partner (15%). Die Hälfte bevorzugt sogar einen unpolitischen Partner (46%). Dafür ist die andere Hälfte strikt: Genfer finden es am häufigsten von allen Romands wichtig, dass der Partner, die Partnerin die gleiche Partei wählt (23%) und geben schweizweit am häufigsten an, dass eine unterschiedliche politische Haltung ein Trennungsgrund wäre (27%).

 

Über die Studie: Die Studie wurde vom 5. bis 10. Juli 2019 vom digitalen Markt- und Meinungsforscher Unternehmen marketagent.com durchgeführt. Befragt wurden 500 Frauen und 500 Männer von 18 bis 69 Jahren in der Schweiz (Westschweiz, Raum Zürich, Raum Bern, Ostschweiz, Mittelland, Zentralschweiz, Nordwestschweiz und Graubünden).