Treue ist für Akademiker weniger wichtig als für Nicht-Akademiker

21.04.2019 Katharina Hemmelmair

Beim Thema Treue scheiden sich die Geister: Für die einen ist sie unabdingbar, andere sind tolerant(er). Wie eine anonyme Auswertung von Mitgliederdaten der Online-Partnervermittlung Parship.ch. ergeben hat, hat absolute Treue für männliche Akademiker einen niedrigeren Stellenwert als für Nicht-Akademiker. Und Frauen? Diese pochen tendenziell stärker auf Treue als Männer. Und beim Thema «gewünschte Anziehungskraft zum Partner, zur Partnerin» gibt es Unterschiede nach Geschlecht und Beruf.

Zürich,

Wie es in einer Beziehung mit der Treue aussehen könnte, verrät allenfalls der Beruf des Gegenübers. Dies zeigt eine anonyme Auswertung von Mitgliederdaten der Online-Partnervermittlung Parship.ch. Demnach gaben 56% aller Männer an, für sie sei absolute Treue unabdingbar. Dies gilt vor allem für Techniker (67%), Handwerker (66%), Hotelangestellte (64%) und kaufmännische Angestellte (63%). Männer hingegen, die in folgenden akademischen Berufen tätig sind, verlangen deutlich seltener absolute Treue:

  • Künstler (41%)
  • Ärzte und Juristen (je 44%)
  • Architekten (47%)
  • Medizinische Berufe und Pädagogen (je 49%)

Wie ist die unterschiedliche Auffassung beim Thema Treue zwischen männlichen Akademikern und Nicht-Akademikern zu erklären? «Je älter und erfahrener ein Mensch wird, desto weniger gibt er sich dem Idealbild der lebenslangen körperlichen Verbindung mit einer einzigen Person hin», sagt Parship-Psychologin Barbara Beckenbauer. «Gut möglich, dass diese Erkenntnis bei Akademikern früher reift, zumal kritisches Hinterfragen und Reflektieren bei ihnen schon früh zum Bildungsweg gehört. »

Bei den Frauen fordern 60% absolute Treue. Dies gilt insbesondere für weibliche Hotelangestellte (73%) oder kaufmännische Angestellte (68%). Toleranter hinge- gen sind Frauen, die akademische Berufe ausüben – so erwartet nur jede dritte Journalistin und rund 40 Prozent der Künstlerinnen oder Juristinnen absolute Treue.

Die Krux mit der Anziehungskraft

Einige der bezüglich Treue toleranten Berufsgruppen wünschen sich überdurchschnittlich oft eine starke Anziehungskraft beim potentiellen Partner. Dies ist bei 55% aller befragten Männer der Fall, wobei Journalisten (67%), Ärzte (65%) und Pädagogen (63%) herausstechen. Dem gegenüber stehen Hotelangestellte (46%), Techniker (45%) oder Handwerker (44%), für die gemeinsame Interesse über- durchschnittlich wichtig sind.

50% aller befragten Frauen wünschen sich eine starke Anziehungskraft, insbesondere tun dies Künstlerinnen und Unternehmerinnen mit je 57%. Ärztinnen (55%) oder Juristinnen (50%) hingegen leben besonderen Wert auf gemeinsame Interessen. Dazu Barbara Beckenbauer: «Wer für starke Anziehungskraft empfänglich ist, hat meistens die Erfahrung gemacht, dass diese nicht nur von einem einzigen Menschen ausgehen und die Versuchung stark sein kann. Wem gemeinsamen Interessen wichtig sind, setzt eher auf pragmatische Werte und Persönlichkeiten, die zueinander passen.»

 

Über die anonyme Auswertung von Mitgliederdaten: Die Auswertung der Parship-Datenbank wurde im Oktober 2018 nach den folgenden Berufsgruppen und Geschlechtern in der Schweiz ausgewertet: Angestellte im Hotel und Gastgewerbe, Architekten, Ärzte, Beamte, Handwerker, Juristen, Kaufmännische Angestellte, Künstler, Medizinische Berufe, Pädagogen, Polizisten, Informatiker, Ingenieure, Journalisten, Techniker, Unternehmer und Sonstige.