Welche Art von Beziehung hätten’s denn gerne?

05.10.2016 Katharina Hemmelmair

Der Wunsch, sich an einen Partner zu binden ist bei Schweizer Singles sehr hoch. Am bindungswilligsten sind die 30-39 Jährigen, am wenigsten Interesse an einem „Partner fürs Leben“ haben die 40-49 Jährigen. Nach erfolgter Familiengründung steigt aber die Offenheit für alternative Beziehungsformen: Jeder fünfte Single über 40 wünscht sich lieber eine offenere Verbindung in Form von „Friends with benefits“ oder einer Affäre. Fast die Hälfte der Singles hat schon eine Beziehung hinter sich, in der die Vorstellung von Verbindlichkeit und Zusammengehörigkeit mit dem Partner nicht übereinstimmte. Dies ergab eine schweizweite, repräsentative Umfrage bei 504 Deutsch- und Westschweizer Singles im Alter zwischen 18 und 69 Jahren.

Zürich,

Der erste Augenkontakt, der erste Kuss und irgendwann die erste gemeinsame Nacht: Was nach einem gelungenen Start in eine neue Beziehung klingt, kann oft komplizierter sein als angenommen. Denn es gibt heutzutage mehr als eine Beziehungsform, die in Fra- ge kommt.

Die gute Nachricht für Romantiker ist: Die überwiegende Mehrheit der Schweizer Singles wünscht sich in erster Linie eine klassische Beziehung zu einem Partner, mit dem sie alt werden oder eine Familie gründen (Frauen 58%, Männer 49%) oder in den sie sich ohne Plan einfach nur wieder mal richtig verlieben können (Männer 20%, Frauen 19%).

Die Umfrage zeigt auch, dass der Bindungswille der Singles je nach Alter variiert und alternative Beziehungsformen ab einem gewissen Alter attraktiver werden. Die unter 30- Jährigen wollen sich am ehesten „endlich wieder richtig verlieben, egal was dabei raus kommt“. Am meisten an einer verbindlichen Partnerschaft interessiert sind die 30-39- jährigen Singles. Danach sinkt der Wunsch nach einem Partner zur Familiengründung, aber die Bindungswilligkeit steigt wieder: Mehr als die Hälfte der über 50-Jährigen will einen Partner, mit dem sie alt werden kann. Gleichzeitig steigt aber auch mit den Jahren die Bereitschaft, sich statt auf eine konventionelle und exklusive Beziehung lieber auf ein un- verbindliches Arrangement im Sinne von „Friends with benefits“ einzulassen – wobei Männer etwas offener dafür sind als Frauen.

Parship-Psychologin Barbara Beckenbauer: “Das Bedürfnis nach Beziehung, Austausch und Nähe zieht sich über alle Generationen hinweg, nur die Formen, wie diese ausgelebt werden, sind zahlreicher geworden. Dass die Bereitschaft für unverbindliche Beziehungs- formen mit dem Alter zunimmt, werte ich als positives Zeichen dafür, dass man mit 60 oder auch 70 Jahren, nicht das Gefühl hat, zum alten Eisen zu gehören und offen für Neu- es ist.“

Eine „Beziehung“ kann verschiedene Ausprägungen haben

Fast die Hälfte der befragten Singles (43%) war schon einmal in einer Beziehung, in der der Partner ihre Vorstellung von Verbindlichkeit und Zusammengehörigkeit nicht teilte: Über ein Drittel der Frauen glaubt, dass der damalige Partner sie nicht im gleichen Masse geliebt hat wie sie ihn. Doch sind viele auch überzeugt, dass der damalige Partner lediglich an regelmässigem Sex interessiert war (21%), das Gefühl hatte, irgendwann jemand Passenderes zu finden (18%) oder grundsätzlich eine offenere Beziehung wollte (10%). 14% der Frauen sagen aber auch, dass sie selbst eine modernere und flexiblere Vorstellung von einer Beziehung gehabt hätten als der Partner.

Auch die befragten Single-Männer haben entsprechende Erfahrungen gemacht. Ein Drittel von ihnen vermutet, dass die damalige Partnerin sie als Überbrückung benutzt hat, bis der wirkliche Mr. Right auftauchen würde oder nicht im gleichen Masse verliebt war wie umgekehrt. Jeder Fünfte (20%) gibt aber an, sich eine flexiblere Beziehung gewünscht zu haben als die Partnerin, bei jedem Zehnten war es umgekehrt. Und 7% geben an, lediglich an regelmässigem Sex interessiert gewesen zu sein.

Und doch scheinen die Meisten der befragten Singles in ihrer früheren Partnerschaft den Willen gehabt zu haben, die Hindernisse für eine funktionierende Partnerschaft aus dem Weg zu räumen: Bei 41% von ihnen hat die ungleiche Beziehung mehrere Jahre gehalten. Weitere 19% waren mehr als ein Jahr mit dem Partner zusammen, bevor die Beziehung in die Brüche ging.

“Dass knapp 60% der Beziehungen trotz Schwierigkeiten länger als ein Jahr gehalten haben, zeugt von einer sehr hohen Beziehungsbereitschaft in der Schweiz, meint Barbara Beckenbauer.” Doch sie rät auch: „Was auch immer der Grund für die unterschiedliche Bindungswilligkeit in einer Partnerschaft ist: Es ist wichtig, mit dem Partner offen darüber zu reden, um Verletzungen und Missverständnisse zu vermeiden.“

Regionale Highlights: Zürcher in der Liebe am bodenständigsten, Welsche am verspieltesten

Zürcher Singles sehnen sich – zusammen mit den Ostschweizern – am meisten nach einem Partner, mit dem sie alt werden können (49%). Auch steht bei ihnen – zusammen mit den Nordwestschweizern – die Familienplanung am häufigsten im Vordergrund (17%, CH: 12%). Sich einfach nur der Liebe wegen zu verlieben wird von ihnen schweizweit am seltensten genannt (12%, CH: 19%).

Ganz anders die Welschen: Zwar wünscht sich auch in dieser Region jeder dritte Single einen Partner (34%, CH: 42%), mit dem er oder sie alt werden könnte. Gesamtschweizerisch möchten sie sich – zusammen mit den Nordwestschweizern – aber am häufigsten einfach mal wieder verlieben (24%, CH: 19%) oder eine Beziehung zu Friends with benefits pflegen (20%, CH: 15%).