Versöhnungssex bei Schweizer Paaren eher selten

23.08.2014 Katharina Hemmelmair

Der internationale „Kiss and Make Up Day“ am 25. August ist für Paare eine gute Gelegenheit, Streitereien ad acta zu legen, die gemäss Umfrage meistens in der Küche, beim Abendessen oder im Auto ihren Anfang genommen haben. Am häufigsten werden Streits durch eine Entschuldigung (40%) aus der Welt geschafft, nur 21% der Schweizer tun dies im Rahmen eines ausgiebigen Gesprächs. Lediglich 10% haben Versöhnungssex oder gehen danach besonders zärtlich miteinander um (7%). Dies ergab eine repräsentative Umfrage der führenden Online-Partneragentur Parship.ch bei insgesamt 1’036 Personen im Alter zwischen 18 und 69 Jahren in der deutschen und französischen Schweiz.

Zürich,

Die meisten Schweizerinnen und Schweizer versuchen bei Streitereien sachlich zu bleiben und Probleme konstruktiv zu lösen: Sich gegenseitig anzuschreien (16%), aggressiv (14%) oder gar handgreiflich (4%) zu werden, scheint für die wenigsten ein geeigneter Weg der Konfliktlösung. Dennoch finden 27% der Deutschschweizer und 17% der Romands, dass bei Unstimmigkeiten einer oder beide Partner schnell zynisch oder verletzend werden. Auf die Frage, wie man sich nach einem Streit seinem Partner gegenüber verhält, geben 40% an, dass sich mindestens einer im Nachhinein entschuldigen würde. Ein Viertel macht weiter, als ob nichts gewesen wäre, bloss ein Fünftel spricht mit dem Partner ausgiebig darüber.

Zu vergeben und vergessen – und den wiederhergestellten Frieden mit einem Kuss zu besiegeln – ist hierzulande nicht gang und gäbe: Bei fast jedem vierten Paar bleibt die Stimmung danach noch längere Zeit distanziert. Nur 14% folgen dem Grundsatz, nie ohne Versöhnung ins Bett zu gehen. Von Versöhnungssex hält der Grossteil der Schweizer Paare eher wenig: Nur für 10% der Befragten gilt dies als probates Mittel, um sich mit dem Partner wieder zu vertragen. Auch tauschen lediglich 7% nach einem Streit Zärtlichkeiten aus. PARSHIP-Psychologin Barbara Beckenbauer erstaunt dies nicht: „Ein Streit mit dem oder der Liebsten geht immer unter die Haut. Hier sind heftige Emotionen am Werk. Da fällt es vielen Menschen schwer, sich danach gleich wieder zu beruhigen und Nähe zuzulassen. Trotzdem ist es wichtig, gerade nach einem Streit einander möglichst schnell zu verzeihen und wieder liebevoll miteinander umzugehen, um das Grundvertrauen in die Beziehung nicht zu schwächen.“

In der Küche und bei Tisch liegen die Nerven am häufigsten blank

Wenn Herr und Frau Schweizer aneinander geraten, dann geschieht dies am häufigsten in der Küche. Egal ob beim Kochen oder während des Abwasches, für 27% der Befragten ist die Küche Streitort Nummer 1. Auch bei Tisch (24%) während des Abendessens oder im Auto (20%) kommt es häufiger zum Streit als sonstwo. Konflikte in der Öffentlichkeit auszutragen scheint den Männern erstaunlicherweise weniger auszumachen als den Frauen. Fast jeder Sechste (15%) gibt an, sich auch mal während des gemeinsamen Shoppings zu streiten. Von den Frauen tun dies gerademal 10%. Bei gemeinsamen Freizeitaktivitäten geht es dagegen am harmonischsten zu: Nur knapp 4% haben hierbei Auseinandersetzungen mit ihren Partnern.

Nervige Gewohnheiten treiben Partner am häufigsten aus der Haut

Knapp die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer (45%) gibt an, so gut wie nie zu streiten, immerhin 6% tun dies aber wegen des Kicks besonders häufig und gerne. Dabei gibt jede fünfte Frau zu, lieber zu streiten als ihr Partner (Männer 8%). Doch worüber wird überhaupt gestritten? Der häufigste Streitgrund für Schweizer Paare sind die nervigen Gewohnheiten des jeweils Anderen. Da sind sich Romands (39%) und Deutschschweizer (40%) einig. Auch wegen fehlender Ordnung (28%) oder Hausarbeit (24%) gibt es in beiden Regionen gleichviele Auseinandersetzungen. Der Röstigraben tut sich erst auf, wenn es um die Finanzen geht. 28% der Westschweizer streiten sich des Geldes wegen mit ihren Partnern, von den Deutschschweizern tun dies nur 22%. Auch die Verwandtschaft sorgt in Welschen Beziehungen (21%) öfters für Unruhe als in Deutschschweizerischen (15%). Die Themen „Kinder und Ehe – ja oder nein“ sind hingegen selten ein Grund dafür, dass der Haussegen schief hängt: Lediglich bei 4% der Schweizer führt der einseitige Wunsch nach Nachwuchs zu Unstimmigkeiten, nur 3% streiten darüber, ob der Schritt vor den Traualtar gesetzt werden soll oder nicht.
Den „Kiss and Make Up Day“ findet Barbara Beckenbauer eine witzige Erinnerung, sich zwischendurch einen Ruck zu geben und zu gewissen Unstimmigkeiten einfach mal “Schwamm drüber” zu sagen. „Es gibt immer mehrere Gründe, warum wir uns in einen bestimmten Menschen verliebt haben und unser Leben mit ihm verbringen möchten. Vielleicht ist so ein Tag auch eine gute Gelegenheit, sich diese Gründe wieder in Erinnerung zu rufen, anstatt sich aus Gewohnheit nur auf nervige Gewohnheiten zu konzentrieren.“ Und wer weiss:  vielleicht wird dadurch aus einem „Kiss and Make Up Day“ ein vorgezogener „Valentines Day“.