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Single-Leben

Als Single glücklich werden

Vorhänge, so weit zugezogen, dass nur ein schmaler Streif zum Hinausspähen bleibt; ein verwilderter Vorgarten, vielleicht ein paar Krähen; in jedem Fall tummeln sich zahlreiche Katzen vor und im Haus, wobei mindestens eine von ihnen auf der Schulter und zwei weitere in den Armen der Dame sitzen, die in ihrer abgetragenen Kleidung und mit ihren zerzausten Haaren in der Tür steht und etwas Unverständliches keift, ehe sie wieder in ihrem Heim verschwindet ...

Frau liest Single und trotzdem glücklich?  –   © istock

Ein Mann hätte wahlweise einen Angst einflössenden Hund im Vorgarten angebunden und statt der Katzen vielleicht eine Bierflasche in der Hand. So oder so: Die meisten Klischees von allein lebenden Menschen sind sehr skurril. Wann kommt es schon vor, dass eine ältere Dame oder ein älterer Herr, die zeitlebens oder zumindest schon jahrelang alleine leben, als bodenständig, sozial integriert, selbstständig und vor allem als glücklich dargestellt werden? Woher kommt der Irrglaube, nur gemeinsam mit einem Partner ein gutes Leben führen zu können? Wieso wird das Leben von Alleinstehenden als nicht erstrebenswert stilisiert? Diesen Fragen soll im Folgenden nachgegangen werden, in der Hoffnung, ein besseres Licht auf das Alleinsein werfen zu können.

Im Leben geht es nicht um besser oder schlechter

Freilich gibt es einige objektive Kriterien, anhand derer ein Leben augenscheinlich als gut oder weniger gut bewertet werden kann: physische Gesundheit, finanzielle Ressourcen, ein sicheres Umfeld ... Was sich den Möglichkeiten eines Vergleiches jedoch entzieht, ist der individuelle Lebensentwurf eines Menschen, also wie jeder Einzelne mit seiner Situation umgeht und wovon er sein Glück abhängig macht. Schliesslich sind nicht alle Kranken unglücklich und nicht alle Reichen glücklich.

Dieses kleine Gedankenspiel soll verdeutlichen, dass es die eine Definition von Glück nicht gibt. Somit hat auch der eigene Familienstand nicht zwangsläufig etwas damit zu tun, wie zufrieden man ist. Für den einen sind Kinder das Glück der Erde, andere bleiben gerne kinderlos. Andere wollen ihren Partner ständig um sich haben und können nur mit ihm wirklich Spass haben; anderen genügt es, zusammenzuleben und sonst relativ eigenständig planen zu können. Und, wie könnte es anders sein, selbstverständlich ist das Glück auch für all jene auffindbar, die ohne Partner sind.

Das Alleinsein annehmen

Ohne anmassend klingen zu wollen: Nicht jeder ist freiwillig allein. Wohingegen viele die Entscheidung, ihr Leben für sich selbst gestalten zu wollen, bewusst treffen, gibt es wohl ebenso viele, die lieber in einer Beziehung wären, deren Partnersuche jedoch (bisher) erfolglos blieb. Natürlich steht ausser Frage, dass es sehr frustrierend ist, Treffen um Treffen mit Menschen konfrontiert zu werden, die nicht zu einem passen. Ebenso ist es traurig, von Menschen enttäuscht zu werden, bei denen man das Gefühl hatte, den Partner fürs Leben gefunden zu haben.

Je länger man sucht und umso mehr man will, desto schwieriger wird es, ruhig zu bleiben, das Leben seinen Lauf nehmen zu lassen und sich um den Moment zu kümmern. Eben weil in so vielen Köpfen die schrullige Katzendame und der trinkende Hundeherr spuken, will niemand "alleine enden". Filme, Bücher, die Gesellschaft ... Alles um einen herum vermittelt den Eindruck, dass das Liebesglück das Einzige ist, was im Leben zählt. Frei nach dem Motto: "Sie können jede Hürde ihm Leben meistern, wenn Sie nur jemanden haben, der an Ihrer Seite steht". Nun, es wäre gelogen zu sagen, dass es nicht schön ist, jemanden zu haben, der einen liebt; dass sein Leben mit einem Menschen zu teilen, nicht gut ist; dass Liebe unwichtig ist.

Aber es ist die Wahrheit zu sagen, dass sie nicht nur in einer romantischen Beziehung zu einem anderen gefunden werden kann. Schliesslich entzieht sich das Glück Regeln und Normen. Es geht darum, was man aus seinen Möglichkeit macht und wie man mit seiner Situation umgeht. Entsprechend ist zweifellos auch möglich, auf der Basis des Alleinseins ein wunderbares und erfüllendes Leben aufzubauen. Aber um das zu schaffen, muss man die Eventualität annehmen, dauerhaft alleine zu bleiben, um die Kraft, die man sonst in Frust und Traurigkeit ob der erfolglosen Partnersuche steckt, in sich selbst zu investieren, um sein Glück zu finden.

Die Schattenseiten einer Partnerschaft

Ein Paar Partnerschaft bringt auch Verpflichtung  –   © istock

Es soll hier nicht darum gehen, Beziehungen schlecht zu reden, denn jeder kann sein Leben gestalten, wie er möchte. Kein Lebensentwurf ist per se perfekt. Weltenbummler haben ihre düsteren Momente, ebenso wie Eheleute, Kinderlose, Polygame oder Singles. Aber es liegt in der menschlichen Natur, sich das Positive der eigenen Situation zu verdeutlichen, und das funktioniert am besten, wenn man auf die Vorteile fokussiert, die andere nicht haben. Daher schadet es nicht, sich die Nachteile vor Augen zu führen, denen Menschen in Beziehungen ausgesetzt sind:

  • Rechenschaft ablegen, über was, wo und mit wem
  • seine Freizeit auf einen anderen abstimmen
  • Freunde seltener sehen
  • Kompromisse in verschiedenen Bereichen eingehen
  • dem anderen zuliebe etwas aufgeben
  • über alltägliche Kleinigkeiten des Zusammenlebens streiten
  • in der gemeinsamen Wohnung Einschränkungen hinnehmen
  • in seinen Entscheidungen von einem anderen abhängig sein

Das sind Punkte, die selbst in glücklichen Beziehungen zum Standard gehören. Würde nun noch eine unglückliche Partnerschaft als Vergleich herangezogen, so würden sich für Alleinstehende noch mehr Vorteile auftun, aber darum soll es ja nicht gehen. Vielmehr soll deutlich werden, dass es immer gute und schlechte Seiten gibt, egal wie das Leben verläuft.

All jenen, die noch Zweifel haben, dauerhaft alleine glücklich werden zu können, seien nun noch einige Gedankenanstösse mit auf den Weg gegeben:

Das Leben als Single wertschätzen können

Alleinsein nicht zu wörtlich nehmen

Denn Single zu sein heisst nicht, sich gänzlich aus der Gesellschaft zurückzuziehen. Im Gegenteil: Es ist wichtig, teilzuhaben und den Kontakt zu anderen zu suchen. In der Forschung der Psychologie zeigt sich immer wieder, wie wichtig soziale Kontakte für ein gesundes Leben sind - und damit sind nicht zwangsläufig Liebesbeziehungen gemeint. Der Mensch ist ein soziales Wesen, natürlich brauchen manche mehr und andere weniger Kontakt, aber sich einzuigeln, kann für niemanden erfüllend sein. Daher ist vor allem als Single wichtig, viel Zeit mit Freunden, Verwandten und Bekannten aus dem Sportverein oder der Nachbarschaft zu verbringen. Denn Liebe ist nichts, worauf Partnerschaften exklusiven Anspruch hätten; es ist auch möglich, in der Liebe zu Freunden und der Familie Rückhalt und Erfüllung zu finden!

Alleinsein nicht ertragen, sondern nutzen

Für sich zu sein, ist für viele deshalb so schwer zu ertragen, weil sie nichts Gescheites mit sich anzufangen wissen. Die Folge: Langeweile, Leerlauf, Frustration, Gefühle der Nutzlosigkeit. Ohne Partner bleibt viel Zeit für einen selbst, die erst einmal gefüllt werden will. Daher ist es ungemein wichtig, sich zu beschäftigen; herauszufinden, was einen erfüllt; woran man Spass hat. Denn nur, wer etwas mit seiner Zeit anfangen kann, weiss zu schätzen, sie zu haben. Daher: Unterschiedliches ausprobieren! Lesen, verschiedene Sportarten, rausgehen, verreisen, basteln, Abendkurse besuchen, kochen, dekorieren, gärtnern ... Es ist wichtig, offen und neugierig zu sein, um sich stets neue Herausforderungen zu schaffen und seine Zeit dadurch als sinnerfüllt zu erleben. Wie das im Detail möglich ist, muss jeder für sich selbst herausfinden.

Mitleid aushalten

Hier kommen wieder die Katzendame und der Hundeherr ins Spiel, die in den Köpfen der Menschen hausen: Ab einem gewissen Alter oder einem gewissen Zeitraum des Alleinseins begegnen Menschen einem mit gewissen mitleidigen Blicken oder Äusserungen, wenn sie gesagt bekommen: "Nein, da gibt es niemanden, ich lebe alleine." Sich davon distanzieren zu können und sein Leben dadurch nicht infrage stellen zu lassen, ist von enormer Bedeutung. Was andere denken und sagen, muss einem egal sein. Solange man selbst glücklich ist und die Gewissheit hat, dass die Anzahl der Katzen in der eigenen Wohnung noch im durchschnittlichen Bereich liegt, ist doch wirklich alles in Ordnung.

Sich von vermeintlichen Idealen verabschieden

Oder zumindest: Ihnen weniger Bedeutung beimessen. Das Alleinsein zu akzeptieren fällt insbesondere denen schwer, die genaue Vorstellungen von ihrer Zukunft hatten - die Märchenhochzeit, das eigene Haus, der Baum im Garten, das Lachen der Kinder ... Solche Lebensziele können alleine schwerer beziehungsweise nicht gleichwertig erfüllt werden. Sich damit auseinanderzusetzen, ist wohl die schwierigste Hürde auf dem Weg zum glücklichen Leben als Single. Aber auch dieser Schritt ist möglich! Er gelingt leichter, wenn auch nach neuen Zielen Ausschau gehalten wird. Vielleicht kann ein Umzug, der Erwerb einer Eigentumswohnung, eine Reise, die Karriere oder etwas ganz anderes das ersetzen, was man sich ursprünglich vom Leben erwartet hat. Dafür ist es wichtig, diesen Optionen eine Chance zu geben und nicht zu stur an dem festzuhalten, was man sich ausgemalt hatte. Denn das Leben ist leider (vielleicht eher glücklicherweise?) nicht vollends planbar; ob mit Partner oder ohne: Es kann immer anders kommen.

Egal ob single, verheiratet, in einer Beziehung - einen Plan für das glückliche Leben gibt es wohl nicht. Es geht vielmehr darum, zufrieden mit sich und dem zu sein, was man hat und stets zu versuchen, das Beste aus allem zu machen. Dazu gehört auch, das "Warum" aussen vor zu lassen. Wer hat darauf schon eine Antwort? Vielleicht die schrullige Katzendame oder der Hundeherr aus dem langsam verfallenden Haus am Ende der Strasse? Nun, vermutlich nicht.

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