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Optimist und Pessimist - Kann eine solche Beziehung funktionieren?

Ist die Antwort auf die Frage, ob das Glas halb voll oder halb leer ist, entscheidend für das Funktionieren einer Beziehung? Nun, vermutlich nicht in semantischer Hinsicht - im übertragenen Sinne jedoch, gibt die Antwort viel über einen Menschen und seine Einstellung zum Leben preis.

Ein Paar küsst sich Eine glückliche Partnerschaft trotz Unterschieden?  –   © Fotolia

Werden im halb vollen Glas Möglichkeiten gesehen oder Verluste im halb leeren? Eine derartige Interpretation der Antwort suggeriert bereits, worauf das Stellen dieser Frage abzielt: Optimist oder Pessimist? Welche Einstellung dominiert das Leben des anderen? Werden Chancen oder Risiken gesehen? Und die vermutlich wichtigste Frage: Können zwei so unterschiedliche Persönlichkeiten miteinander auskommen und eine glückliche Partnerschaft führen?

Wesentliche Unterschiede von Optimisten und Pessimisten

Dass Optimisten die Welt eher positiv sehen und Pessimisten eher die schlechten Seiten betonen, ist allgemein bekannt. Jedoch sind die Kontraste zwischen beiden Lebenseinstellungen etwas vielschichtiger: Der Psychologe Martin Seligman erforschte die Unterschiede zwischen beiden Persönlichkeiten und fand heraus, dass es im Wesentlichen die Art und Weise der Attribution, auch Ursachenzuschreibung genannt, ist, anhand derer die Verschiedenheit festgemacht werden kann.

Folgende Kriterien sind hierbei von Relevanz:

1. Dauerhaftigkeit

Je nachdem, ob ein Mensch eher optimistisch oder pessimistisch veranlagt ist, wird er angenehmen oder unangenehmen Zuständen mehr oder weniger Dauerhaftigkeit zuschreiben. Ausgehend von einem typischen Phasenverlauf von Beziehungen, zu dem sowohl gute als auch schlechte Zeiten gehören, würden Optimisten folgendermassen urteilen:

  • "Es ist ganz normal, dass es mal nicht so gut läuft - das geht vorbei." (unangenehmes Ereignis, kurzweilig)

  • "Bei uns beiden läuft es wirklich super, wir passen eben gut zueinander." (angenehmes Ereignis, dauerhaft)

Pessimisten hingegen würden genau entgegengesetzt argumentieren:

  • "Zwischen uns läuft es einfach nicht, vermutlich passen wir nicht zueinander." (unangenehmes Ereignis, dauerhaft)

  • "Dass es jetzt mal gut läuft, ist bestimmt die Ausnahme. Bald kommen wieder schlechtere Zeiten." (Angenehmes Ereignis, kurzweilig)

2. Geltungsbereich

Dass Dinge manchmal nicht so laufen, wie gewünscht, ist unumgänglich. Doch auch in der Bewertung von Misserfolgen unterscheiden sich Pessimisten und Optimisten. Erstere attribuieren eher generell, übertragen Unzulänglichkeiten also auf verschiedene Bereiche:

  • "Im Job läuft es gerade richtig mies. Ich bin wirklich ein Versager und bekomme nichts auf die Reihe!"

Optimisten hingegen wissen zu differenzieren. Sie bewerten Fehlschläge weniger global, sondern spezifisch:

  • "Im Job läuft es gerade richtig mies. In dieser Hinsicht sollte ich an mir arbeiten!"

3. Personalisierung

Menschen mit optimistischer und pessimistischer Einstellung unterscheiden sich auch dahin gehend, inwieweit sie sich selbst in die Verantwortung für Dinge nehmen, die in ihrem Leben passieren. Auch hier kann zwischen angenehmen und unangenehmen Situationen unterschieden werden. Auf den Beginn oder das Ende einer Beziehung könnten Optimisten folgendermassen reagieren:

  • "Ich bin eine liebenswerte Person. Es freut mich, dass er/sie sich in mich verliebt hat." (Gründe werden in der eigenen Person gesucht)

  • "Es ist schade, dass wir uns getrennt haben, aber unsere Wohnsituation lässt eine Beziehung einfach nicht zu." (Gründe werden in der Umgebung gesucht)

Bei Pessimisten könnte sich ein genau entgegengesetztes Bild abzeichnen:

  • "Wahrscheinlich hat er/sie niemand Besseren als mich gefunden." (Gründe werden in der Umgebung gesucht)

  • "Kein Wunder, dass er/sie sich getrennt hat. Ich bin eben nicht liebenswert." (Gründe werden in der eigenen Person gesucht)

Derart pessimistische Attribuierungen sind, im Vergleich zu jenen des Optimismus, eher schädlich für das eigene Selbstwertgefühl. Alles Negative im Leben wird auf die eigene Persönlichkeit bezogen, wohingegen positive Dinge stets dem Zufall zugerechnet werden.

Bleibt Hoffnung für die Beziehung?

Aus Sicht der Optimisten: selbstverständlich! Pessimisten hingegen würden sagen, es sei aussichtslos. Denn abgesehen von den drei vorgestellten Komponenten, unterscheiden sich beide Persönlichkeiten auch hinsichtlich ihrer Tendenz zur Hoffnung. Optimisten, die Glück eher auf sich selbst zurückführen und negative Ereignisse gerne dem Zufall zuschreiben, haben keinen Grund, hoffnungslos in die Zukunft zu blicken. Pessimisten hingegen schon, da sie dazu neigen, glückliche Begebenheiten als zufällig anzusehen und unangenehme Situationen als stabil zu bewerten. Augenscheinlich eine sehr traurige Angelegenheit, so ein pessimistischer Lebensstil.

Was dem Pessimisten positiv und dem Optimisten negativ anzurechnen ist

Ein Paar auf einer Couch Optimist oder Pessimist?  –   © Fotolia

Allerdings bringt eine derartige Lebenseinstellung auch einige Vorteile mit sich: Wer pessimistisch denkt, wägt viel ab, vergleicht und läuft daher selten Gefahr, unüberlegte Entscheidungen zu treffen. Dadurch werden Risiken minimiert. Darüber hinaus ist es schwer, einen negativ eingestellten Menschen zu enttäuschen, da seine Erwartungen ohnehin nicht allzu hoch sind. Hinzu kommt, dass sie eher auf Schicksalsschläge vorbereitet sind und dadurch nicht völlig aus der Bahn geworfen werden. Dem entgegen gibt es auch einige Kritikpunkte, die einem Optimisten vorgeworfen werden könnten: Selbstüberschätzung, Realitätsverleugnung, Naivität, mangelnde Ernsthaftigkeit, Strukturlosigkeit, Unbedarftheit etc.. Es wird deutlich, dass weder die eine noch die andere Einstellung ausnahmslos in jeder Lebenssituation vorteilhaft ist.

Optimist und Pessimist: Bestenfalls vereint als positiv denkender Realist

Eine allgemeingültige Aussage kann - wie immer, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht - leider nicht getroffen werden. Es kommt immer auf die jeweiligen Partner an, ob eine Beziehung funktioniert oder langfristig zum Scheitern verurteilt ist. Gleiches gilt für eine Partnerschaft zwischen Optimist und Pessimist: Wird nur kurz darüber nachgedacht, mag sich sofort der Gedanke eines pessimistisch denkenden Menschen aufdrängen: Das kann nicht funktionieren! Jedoch sollte auch der Optimist zu Wort kommen dürfen, denn dieser ist überzeugt: Das kann sehr wohl funktionieren! Und damit hat er recht; eine Beziehung ist nicht aussichtslos. Beide können sich sinnvoll ergänzen:

  • der Optimist heitert den Pessimist auf
  • der Pessimist holt den Optimist auf den Boden der Tatsachen
  • der Optimist baut den Pessimist auf, wenn er zweifelt
  • der Pessimist bereitet den Optimist auf unausweichliche Schwierigkeiten vor
  • Beide können einander bereichern
  • Beide können voneinander lernen

Die letzten beiden Punkte sind zwar die am allgemein formuliertesten, dafür auch die bedeutsamsten; denn keine der beiden Einstellungen ist für sich erstrebenswert: Nur positiv oder nur negativ an das Leben heranzutreten ist unmöglich. Dadurch werden Möglichkeiten eingeschränkt und Risiken übersehen - und das sind keineswegs erstrebenswerte Lebensziele. Daher können sich Optimisten und Pessimisten vieles voneinander abschauen und bestenfalls zu einem idealen Beziehungsentwurf integrieren: zu positivem Realismus. Derartig eingestellte Partnerschaften können von ihren jeweiligen Stärken profitieren und sich wechselseitig beeinflussen, um ihre Unzulänglichkeiten zu kompensieren. Die Sicht auf die Welt ist grundsätzlich positiv, sodass das Leben ohne grosse Einschränkungen und ungetrübt von Zweifeln und Ängsten genossen werden kann. Allerdings wohnt dieser Einstellung gerade so viel Pessimismus inne, dass die Dinge realistisch betrachtet, entsprechend also Risiken vorhergesehen oder Selbstüberschätzungen vermieden werden können.

Toleranz, Kommunikation, Kompromissbereitschaft, Geduld und Einfühlungsvermögen

Auf derartigen Eckpfeilern sollte prinzipiell jede Beziehung fussen, für Optimisten und Pessimisten gilt dies insbesondere. Sie müssen bereit sein, über den Tellerrand zu blicken und sich auf das einlassen, was der andere vorschlägt. Hierfür muss offen kommuniziert werden, sodass dem jeweils anderen die Möglichkeit gegeben werden kann, einen Einblick in die individuelle Denkweise zu erlangen. Dies erfordert genug Einfühlungsvermögen und vor allem Geduld, da das Zueinanderfinden oftmals langwierig ist. Wenn jedoch, unabhängig von der dominierenden Sicht auf die Dinge, die Chemie zwischen beiden stimmt, wird der Weg hin zu einem optimalen Kompromiss weit weniger holprig ablaufen, als dies zu Beginn vermutet werden könnte.

1/2 + 1/2 = ...

Zwar hat jeder Mensch eine gewisse Tendenz hin zu einer positiven oder negativen Sichtweise, jedoch sind nur die wenigstens ausschliesslich das eine oder andere. Letztlich ist die Einstellung zum Leben variabel, anpassungsfähig und in gewisser Hinsicht zweitrangig. Wichtiger ist vielmehr, wie das Glas der Liebe interpretiert wird. In diesem Fall kommt einfache Mathematik ins Spiel, die selbst Pessimisten optimistisch stimmen sollte. Die entscheidende Frage ist doch: "Was passiert, wenn ein halb volles und ein halb leeres Glas zusammengeschüttet werden?!"

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