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Trennungsangst: Woher sie kommt und wie man sie überwindet

Die Vorstellung, ohne den Partner das Leben bewältigen zu müssen, ängstigt einen? Oder andersherum, ist nicht mal eine Gewaltbeziehung so ängstigend wie der Gedanke, eine Trennung vollziehen zu müssen? Das klingt nach Trennungsangst, die einen in schwierigen Situationen verharren lässt. Aber ganz simpel begegnet sie einem auch in liebevollen und ansonsten sehr harmonischen Beziehungen, die trotzdem darunter leiden.

Trennungsangst erklärt © istockphoto.com

Denn mit der Trennungsangst kommen auch Verhaltensweisen in die Partnerschaft, die eine Belastung darstellen können. Starke Eifersucht, Klammern und Schuldgefühle begleiten häufig eine ausgeprägte Trennungsangst. Die Trennungsangst kann aktiv und passiv auftreten, sich in starken Ängsten und auch nur in ganz leichter Ausprägung zeigen.

Von einer aktiven Ausprägung spricht man dann, wenn sich jemand trennen möchte, aber nicht gegen seine Angst ankommt. Die passive Trennungsangst betrifft diejenigen, die Angst vor dem Verlassenwerden haben, hier spielen dann auch Verlustängste eine grosse Rolle.

Trennungsängste: Das Päckchen aus der Kindheit

Angst ist zunächst weder gut noch schlecht, sondern ein nützliches Instrument aus der Vergangenheit. Denn sie sorgt dafür, dass wir aufmerksam und vorsichtig werden, dass wir unsere Umgebung und mögliche Feinde im Blick behalten. Bei akuter Angst ist der Körper in Alarmbereitschaft, der Adrenalinspiegel steigt und die Wahrnehmung verschärft sich. Kritisch wird Angst erst dann, wenn sie den Alltag und damit das Leben beherrscht. Denn permanente Angstzustände wirken sich negativ auf die Gesundheit aus und belasten das Immunsystem.

Unverarbeitete Trennungssituationen aus der Kindheit können sich auch im späteren Erwachsenenleben auswirken. Besonders traumatische Erlebnisse wie

  • Trennung der Eltern
  • Verschwinden oder Tod einer geliebten Bezugsperson wie Eltern, Grosseltern, Pateneltern
  • häufige Umzüge und damit häufig wechselnde Betreuungs- und Schulsituationen und wechselnde Freundschaften
     

sorgen unter Umständen dafür, dass sich Verlust- und Trennungsängste festsetzen. Dabei kommt es immer darauf an, wie die Situationen in der Kindheit begleitet und aufgearbeitet wurden. Wer mit der Trennung der Eltern nie seinen Frieden machen konnte, weil sich vielleicht ein Elternteil vollständig zurückzog und aus Kindersicht spurlos verschwand, der knabbert auch später noch an Verlustängsten. Parallel dazu kann sich dann die Angst vor dem Alleinsein entwickeln.

Auch wenig selbstständige und unsichere Menschen neigen dazu, Trennungen als etwas Furchteinflössendes zu erleben. Sie benötigen den Rückhalt und die Rückmeldung des geliebten Menschen, um sich selbst als wertvoll und wichtig zu erleben. Gleichzeitig fällt es ihnen oft schwer, allein Entscheidungen zu fällen und die typischen Notwendigkeiten im Alltag zu erledigen. Sie neigen dazu, eher das scheinbar kleinere Übel einer weniger glücklichen Partnerschaft zu wählen, anstatt sich in das unbekannte Leben als Single zu stürzen.

Noch eine dritte Gruppe hat häufig mit Trennungsangst zu kämpfen: Diejenigen, die sich direkt nach dem Auszug aus dem Elternhaus von einer Beziehung in die nächste gestürzt haben. Sie haben das Alleinsein nie wirklich erlebt und sind deshalb von der Vorstellung, sich allein um alle Lebensbereiche kümmern zu müssen, abgeschreckt.

Von einer echten Angststörung mit Behandlungsbedarf spricht man übrigens erst dann, wenn sich die Beeinträchtigungen durch die Trennungsängste massiv auf den Alltag auswirken. Teilweise ist dann gar keine Beziehung möglich, um so eine mögliche Trennung gleich im Vorfeld auszuschliessen. Oder extreme Eifersuchtsanfälle und extremes Klammern vergiften die bestehende Beziehung. In beiden Fällen ist eine therapeutische Begleitung empfehlenswert.

Doch zwischen dem Auftreten einer Angststörung und einer ganz normalen leichten Panik vor einer möglichen Trennung liegen zunächst einmal Welten.

Trennungsangst identifizieren

Folgende Anzeichen können auf eine Trennungsangst hinweisen:

  • ängstliche Reaktionen auf kürzere und längere Trennungsphasen
  • Eifersuchtsattacken
  • Klammern und Einengen des Lebenspartners
  • eingeforderte Bestätigungen durch den Partner bei jeder Entscheidung
  • Unfähigkeit, allein zu sein, beziehungsweise das Alleinsein auszuhalten
  • Verharren in ungesunden Beziehungssituationen
  • „Was-wäre-wenn“-Gedanken, bei denen man vom Partner getrennt ist
  • Misstrauen und das Gefühl, niemandem wirklich vertrauen zu können
     
Wie Trennungsangst identifzieren? © istockphoto.com

Freunde und Familienangehörige stellen sich häufig die Frage, warum ein geliebter Mensch in einer Beziehung bleibt, die ihm oder ihr offensichtlich schadet. Die Antwort darauf ist komplex, und oft genug ist die Angst vor der Trennung wesentlich stärker als der Wunsch, den Partner zu verlassen. Sind Kinder mit im Spiel oder gibt es gemeinsame Vermögenswerte, fällt eine Trennung meist noch schwerer. Auch das ist für Freunde und Familienangehörige nicht immer nachvollziehbar. Zwischen dem umsichtigen Versuch, Beziehungskrisen zu bewältigen und einer wirklichen Trennungsangst kann meist nur der Betroffene selbst unterscheiden.

Das Verhalten aus der Partnersicht

Nun gibt es reichlich liebevolle Beziehungen, in denen sich der Geliebte mit einer passiven Trennungsangst herumschlagen muss. Der Partner klammert, er klebt am geliebten Menschen und kann auch kurzfristige Trennungen nur schwer ertragen. Die von der Verlustangst Betroffenen klagen über starke Eifersuchtsanfälle; Panik durch den Kontrollverlust, sobald der Partner das Haus verlässt; aber auch über Atemnot und Schweissausbrüche. Die Abwesenheit des Partners wird detailliert kontrolliert, seine Erklärungen beispielsweise für Verspätungen werden genau unter die Lupe genommen und geprüft. Grundlose Eifersuchtsszenen wechseln sich mit Schuldvorwürfen und Momenten ab, in denen die Freundin oder der Freund einem nicht von der Seite weicht.

Genau dieses einengende Verhalten kann durchaus zur Trennung führen, obwohl sich beide Partner sehr lieben und sich wünschen, die Beziehung fortzuführen. Aber auf Dauer ist permanentes Misstrauen und eine eifersüchtige Grundstimmung in der Beziehung nur schwer zu ertragen.

Kurzfristige Abhilfe kann es beispielsweise schaffen, indem sich der ängstliche Part bewusst

  • gute Paarmomente ins Gedächtnis ruft
  • die verbindenden Paarelemente in den Fokus rückt
  • an die letzte Liebeserklärung des Partners denkt
     

Der oder die Geliebte wiederum tut gut daran, sich an Absprachen bei beruflichen oder privaten Abwesenheiten zu halten und ausgiebig mit seinem ängstlichen Partner zu kommunizieren. So wird die diffuse Angst vor dem Verlassenwerden zumindest etwas in Grenzen gehalten. Tatsächlich werden eifersüchtige Reaktionen und ein klammerndes Verhalten erst dann aufhören, wenn sich der Partner intensiv mit der eigenen Trennungsangst beschäftigt.

Aktiv an der Bewältigung der Trennungsangst arbeiten

Zuallererst muss die Trennungsangst als ernsthafte Problematik erkannt werden. Sie ist bei Betroffenen die Ursache für anhaltende Beziehungsprobleme und behindert die Partnersuche bei Singles. Es sind eben nicht nur die Verflossenen schuld daran, dass die Beziehungen scheiterten. Erst nach dieser Selbsterkenntnis sind dann weitere Schritte möglich.

In der passiven Ausprägung haben sich Bewältigungsstrategien bewährt, bei denen

  • in Abwesenheitszeiten des Partners anderweitige Aktivitäten und Beschäftigungen geplant werden
  • offene Kommunikation mit dem Partner zu den Ängsten und der Panik vor dem Alleinsein
     

eine grosse Rolle spielen. Besonders hilfreich scheint es zu sein, gemeinsam mit dem Partner über die eigenen Unsicherheiten und das fehlende Vertrauen in andere Menschen zu sprechen. So wird das Verhalten auch für den Partner nachvollziehbarer.

In einer Beziehung mit jemandem zu sein, der an Verlust- und Trennungsangst leidet, bedeutet auch, Verständnis für aufkommende Eifersucht und Unsicherheiten aufzubringen.

Bei der aktiven Form der Angststörung ist es beispielsweise möglich, bewusst

  • mögliche Veränderungen durch die Trennung zu notieren
  • Lösungsstrategien für die Veränderungen zu entwerfen
  • sich an bereits gemeisterte Krisen zu erinnern
  • Trennungshilfegruppen oder Ratgeber zu Trennungssituationen zu nutzen
     
Aus überstandenen Krisen Mut schöpfen. Aus überstandenen Krisen Mut schöpfen.  –   © istockphoto.com

Die Erinnerung an überstandene Krisen in der Vergangenheit lässt Mut schöpfen, um eine Beziehung zu beenden. Zusätzlich unterstützt es die Trennungssituation, sich bewusst die möglichen Szenarien danach vor Augen zu halten. Das kann die Freude sein, nach einer unglücklichen Beziehung wieder allein über das eigene Leben bestimmen zu können. Oder der Wunsch, sich auf neue Menschen einzulassen.

Wer sich mit dem Partner die Wohnung teilt, überlegt sich vor der Trennung also beispielsweise, wie es mit der Wohnungssuche, dem Umzug und der weiteren Wohnsituation aussehen kann. Hier können auch Freunde oder die Familie beistehen, indem sie bei der Wohnungssuche oder der Organisation des Möbeltransports Unterstützung beisteuern.

Wenn sich vor allem bei der passiven Ausprägung die Angst vor dem Verlassenwerden zeigt, können auch Szenarien nach der Trennung zeigen: So sehr man den geliebten Menschen vermissen würde, das Leben würde doch weiter gehen. Und man wäre auch gar nicht so allein, sondern hätte auch weiterhin Familie und Freunde um sich herum, die für einen da wären.

Unverbindliche Rechtsberatungen zur Klärung von wichtigen Fragen bei Trennung, Scheidung und bei gemeinsamen Kindern kann ebenfalls eine erste Hilfe bieten, um die sich auftürmenden Ängste zu bändigen.

Wenn diese Szenarien und die dazugehörigen Lösungsstrategien klar formuliert sind, fehlt noch eines zum Abschluss: Die Frage, ob man von der Trennungsangst wie bisher alle Entscheidungen beeinflussen lassen möchte. Oder ob man die notwendige Entscheidung jetzt fällt – und beispielsweise die aktive Trennungsangst dadurch besiegt, dass man sich bei einer längst nicht mehr glücklichen Beziehung für die Trennung entscheidet. Andersherum kann man sich auch ganz bewusst für die bestehende Partnerschaft mit all ihren Höhen und Tiefen entscheiden, Eifersuchtsanfälle und klammerndes Verhalten aber künftig mit Blick auf die guten Punkte in der Beziehung bereits im Keim ersticken.

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