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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. Martin_3
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    Zusammen ziehen oder nicht?

    Seit über einem Jahr sind wir ein Liebespaar und führen bisher eine Fernbeziehung. Aus beruflichen Gründen ist es ausgeschlossen, dass sie zu mir zieht. Einen gemeinsamen Wohnort zu suchen, lehnt sie bisher ab. Also wäre die einzige Option, dass ich zu ihr ziehe, in eine weit entfernte Großstadt, in der ich außer ihr fast niemanden kenne. Auch weit entfernt von meinen Kindern und Freunden. Sie sagt, dass sie sich ein Zusammenleben wünscht, aber macht ganz klar, dass sie dann auch regelmäßig alleine weggehen möchte. Diese Vorstellung ist für mich ein Alptraum: ich gebe alles für sie auf, aber sie besteht von Anfang an auf ihren Freiräumen. Ich möchte sie nicht verlieren, aber ich fände die Beziehung dann völlig ungleichgewichtig und mich in einer Abhängigigkeitsposition. Hat diese Beziehung eine Chance?
     
    14.06.2012 #1
  2. Markus Ernst
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    AW: Zusammen ziehen oder nicht?

    Lieber Martin_3,
    für die meisten Menschen ist eine Fernbeziehung nur dann eine Option, wenn es früher oder später die Möglichkeit gibt, an einem Ort zu leben und zusammenzuziehen. Bei allen Vorzügen, die eine Beziehung auf Distanz auch haben kann ist der Wunsch, auch den Alltag mit dem Partner teilen zu können und mehr Zeit miteinander zu haben, absolut nachvollziehbar.

    Positiv ist zunächst, dass sie beide ja offensichtlich den Wunsch haben, die Distanz zu verringern und eine „Nah-Beziehung“ zu führen. Wichtig ist allerdings bei ihrem Vorhaben, sich vorab im Klaren darüber zu sein, dass dieser Einschnitt eine echte Bewährungsprobe für eine Partnerschaft sein kann und meist auch ist. Zwei bislang eigenständig lebende Menschen, mit bestimmten Gewohnheiten und Tagesabläufen, Freunden und Freizeitaktivitäten müssen sich auf einmal aufeinander einstellen und auf einigen Gebieten Kompromisse finden. Dazu kommt der selbstgemachte Druck, „dass doch jetzt eigentlich alles gut sein müsste…“.
    Damit der Schritt von der Fernbeziehung zur „normalen“ Partnerschaft gelingen kann, ist es wichtig, dass beide Partner Zugeständnisse machen. Warum ist es ausgeschlossen, dass sie zu Ihnen zieht? Warum lehnt sie einen gemeinsamen neuen Ort ab, der näher bei Ihren Kindern und Freunden liegt? Was steckt dahinter, dass Ihre Partnerin die Notwendigkeit der eigenen Freiräume betont? Ein weiterer wichtiger Aspekt ist auch Ihre eigene Persönlichkeit: sind Sie eher extrovertiert und kontaktfreudig, oder fällt es Ihnen schwer, neue Kontakte und Freundschaften zu schließen? Diese Fragen müssen offen besprochen und geklärt sein.
    Wenn es Ihre Lebenssituation zulässt, wäre darüber hinaus auch ein Zusammenleben „auf Probe“ eine denkbare Möglichkeit, in dem sie möglichst lange Zeit bei ihr wohnen, ohne die eigenen Zelte schon abgebrochen zu haben.
    Wenn sie beide die angesprochenen Punkte gemeinsam geklärt haben und auch auf Seiten Ihrer Partnerin die Bereitschaft besteht, Kompromisse für den gemeinsamen Wunsch einzugehen, kann diese Beziehung eine Chance haben.
    Herzliche Grüße,
    Markus Ernst
     
    14.06.2012 #2
  3. Rucksack
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    AW: Zusammen ziehen oder nicht?

    Das ist ja ein harter Tobak.
    Zusammenziehen und doch Freiräume fordern ohne den Partner.
    Ich hatte mal einen Hund, der war genauso dankbar. Ist leider an Einsamkeit gestorben.
    Wichtig ist wohl, was DU fühlst. Einsamkeit in der fremden Stadt, oder ein Gefühl der Nähe in deinem Umfeld? Auch ohne Ministerin für Außenhandelsangelegenheiten. Wer weiß, wo die wühlt.
    Meine Meinung!!
     
    14.06.2012 #3
  4. Kimchi
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    AW: Zusammen ziehen oder nicht?

    warum denn nicht? von 0 auf 100 kann nicht jeder. Ich finde es sehr gesund für die eigene Psyche wenn man nicht die ganze Zeit zusammenklebt.
     
    18.06.2012 #4
  5. Lisita
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    AW: Zusammen ziehen oder nicht?

    Nur so ein Gedanke: Wie wäre es denn, in "ihre" Stadt zu ziehen und dennoch erst mal eine eigene Wohnung zu nehmen? Also näher zu sein und doch nicht gleich zusammen zu ziehen.

    Klingt vielleicht erst mal absurd ... mir fallen neben ein paar Nachteilen aber auch viele Vorteile ein. Also vielleicht einfach mal mit dem Gedanken spielen ... das allein 'kostet' ja noch nichts ...

    Toitoitoi für die richtige Entscheidung!

    Lisita
     
    18.06.2012 #5
  6. Martin_3
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    AW: Zusammen ziehen oder nicht?

    Herzlichen Dank für eure Antworten und Tipps! Vor allem dir, lieber Rucksack, zu deiner amüsanten Sichtweise: genauso würde ich mich in diesem Fall aber auch fühlen: als treuer, braver Hund. Aber die Antworten zeigen mir auch, dass es eine weibliche und eine männlich Sichtweise gibt. Die weibliche betont ihre Freiräume, das sieht man(n) schon bei vielen Profilen. Aber wenn diese euch, liebe Frauen, so wichtig sind, dann hätte frau doch ohne eine Beziehung eine maximale, oder? Also, wozu überhaupt eine feste Beziehung? Den Mann als Einrichtungsgegenstand sicher zuhause wisse und den Spaß woanders suchen? Vielleicht so?
     
    24.06.2012 #6
  7. AW: Zusammen ziehen oder nicht?

    Das hat nichts mit "männlich" oder "weiblich" zu tun. Es gibt auch viele Männer, die in einer Beziehung ihren 'Freiraum' behalten möchten.
    Im übrigen auch einer der Gründe, die für mich die Aufnahme einer Fernbeziehung so unattraktiv machen. Wenn man das Pendeln aufgeben will, wird sich mindestens einer der Partner 'entwurzeln' müssen.
     
    24.06.2012 #7
  8. AW: Zusammen ziehen oder nicht?

    Was müsste geschehen, dass eure Beziehung aus deiner Sicht eine Chance hätte?
    Und wie sieht sie das?

    Habt ihr bisher auf faire Kompromisse geachtet? Wie kompromissbereit seid ihr beide? Und welche Kompromisse könntet ihr euch ernsthaft vorstellen.

    Dass du nicht alles aufgeben möchtest, wenn sie zu keinem Kompromiss bereit zu sein scheint, das verstehe ich sehr gut. Du wärest aber zu einem Kompromiss bereit, einem fairen noch dazu, sich irgendwo in der Mitte einen neuen Wohnort zu suchen. Warum steht sie dieser Option ablehnend gegenüber?

    Im Grunde hast du die Situation, die es häufig beklagt wird, dass nämlich einer von beiden mehr vom anderen erwartet als er selbst zu tun oder zu geben bereit ist. Es ist menschlich absolut nachzuvollziehen, dass deine Partnerin von ihrer gewohnten Umgebung nicht weg möchte, aber dasselbe muss eben auch für dich gelten. Deine Kompromissbereitschaft hast du ihr voraus. Ich an deiner Stelle wollte in Erfahrung bringen, weshalb sie sich mit einem Kompromiss so schwertut. Wollte sie dann lieber mit dem jetzigen Zustand weiterleben?
     
    27.06.2012 #8
  9. AW: Zusammen ziehen oder nicht?

    Ist das denn wirklich ein guter Kompromiss - dass beide Partner ihren bisherigen Wohnort mit allen zugehörigen Bindungen verlassen? Sich u.U. beide einen neuen Job und einen neuen Bekanntenkreis suchen müssen?
     
    28.06.2012 #9
  10. Markus Ernst
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    AW: Zusammen ziehen oder nicht?

    Der gemeinsame Neubeginn an einem fremden Ort in der Mitte der jetzigen Wohnorte ist auf der einen Seite sicherlich mit „Abschied“ und „Zurücklassen“ verbunden, kann für eine gemeinsame Beziehung aber auch enorm beflügelnd sein. Zusammen eine neue Stadt zu erkunden, sich einen Freundes- und Bekanntenkreis aufzubauen und die Zukunft zu planen, schweißt zusammen und erweitert den Horizont. Natürlich muss die Entscheidung für einen gemeinsamen neuen Wohnort gut durchdacht und beruflich realistisch sein. Sind diese Punkte aber geklärt, kann ein gemeinsamer Neustart an einem fremden Ort einen positiven Einfluss auf die beteiligten Personen und infolge auch auf die Partnerschaft haben.

    Von Paaren, die diesen Schritt in der Form vollzogen haben wird zudem häufig berichtet, dass die Freund-/Bekanntschaften am früheren Wohnort sich in quantitativer Hinsicht verringert, in ihrer Intensität aber verstärkt haben.
     
    28.06.2012 #10
  11. Christian.HH
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    AW: Zusammen ziehen oder nicht?

    Entzückend ! Sowas hatte ich auch mal. Eine liebe Freundin am Wochenende, zärtlich und einfühlsam. Bis ich den Fehler machte, mal unter der Woche spontan einzutreffen....
    So eine Beziehung zu führen, an der man hängt, ist wirklich nicht einfach. Also entweder so weitermachen wie bisher, oder sausenlassen.
     
    31.07.2012 #11
  12. Jorge_gelöscht
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    AW: Zusammen ziehen oder nicht?

    Liebe Freunde,

    ich bin immer wieder fasziniert über die Sichtweisen bzgl. Fernbeziehung und darüber geführten Diskussionen. Deshalb erlaube mir hier einfach mal quer zu denken, auch um Mut zu machen für Fernbeziehungen.

    Aus meiner Sicht ist die Realität heute eine völlig andere, als noch vor 30 Jahren. In der Regel hatte er damals den Job, sie versorgte Haus und Kinder und zog mit ihm um, egal wohin er versetzt wurde. Und heute?

    In der Regel beide beruflich engagiert, mit daraus sich ergebendem beruflichen und persönlichen Umfeld. Die Arbeitsaufgaben sind ca. für 3 bis 5 Jahre stabil, dann wird die Firma umorganisiert, gekauft, verkauft und oft ein anderer Arbeitsplatz quer durch Deutschland oder gar Europa angeboten oder Du suchst Dir eine neue Aufgabe in einem anderen Unternehmen.

    Die Forderung nach Flexibilität hat im heutigen beruflichen Umfeld massiv zugenommen und jetzt gilt dies in der Regel für beide Partner. Meiner Ansicht nach sind auch hier andere als die bisher gültigen Lösungen gefragt.

    Hier einfach mal eine Idee: Wir beide wohnen ca. 450 km von einander entfernt, sind beide beruflich engagiert und berufsbedingt in der Regel in Deutschland unterwegs. Zuhause ist für uns beide wo wir gemeinsam sind und dies kann an ihrem Wohnsitz, an meinem oder auch auf den Strecken dazwischen sein.

    Mit der Zielsetzung, möglichst oft zusammen zu sein unter Berücksichtigung der beruflichen Randbedingungen schaffen wir es bereits nach kurzer Zeit die Hälfte der Woche gemeinsam zu verbringen und wir arbeiten daran aus diesen 3,5 Tagen 5 Tage zu machen. Ich schätze dass wir dies bis Ende dieses Jahres realisieren können. Da ich beruflich flexibler bin als sie passe ich mich einfach mehr an, weil sie mir wichtig ist.

    Wir haben beide ein Auto, beide eine Bahncard und sind einfach mehr in Deutschland unterwegs als andere Paare; machmal reisen wir sogar gemeinsam. Das ist der Preis den wir bereit sind zu bezahlen für unsere Beziehung und unsere beruflichen Engagements.

    LG Jorge

    PS: ich habe keine Ahnung wie das in drei Jahren sein wird. Ein wenig bewußt gesponnen, nicht unbedingt wahrscheinlich und auch nicht definitiv ausgeschlossen. Vielleicht wird sie zur Muttergesellschaft nach Amerika versetzt oder ich lande in Berlin als Abgeordneter meiner Partei. Und auch dann bin mir sicher, dass wir beide Lösungen entwickeln werden, die ein Zusammenleben ermöglichen ohne faule Kompromisse zu schließen.
     
    06.08.2012 #12
  13. AW: Zusammen ziehen oder nicht?

    Sorry, wenn das jetzt ein bisschen kleinkariert daherkommt, aber wenn ich das hier im Forum richtig verfolge, haben Sie und Ihre neue Partnerin sich am 26.7. zum erstenmal persönlich getroffen. Das sind jetzt nichtmal zwei Wochen. Dass Sie sich das so vorstellen und auch so realisieren wollen - okay; als "Erfahrungsbericht" kann ich es aber leider nicht ernstnehmen.
     
    06.08.2012 #13
  14. Pusteblume_gelöscht
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    AW: Zusammen ziehen oder nicht?

    Er nennt es ja auch nicht Erfahrungsbericht, sondern nur "Idee".

    Natürlich freue ich mich für Jorge und seine Freundin und ihr junges Glück. Was wirklich interessant wäre, ist zu verfolgen, wielange diese "Ideen" anhalten, und wie das ganze in ein paar Monaten/Jahren ausschaut. Denn bisher sehe ich nur 2 Verliebte mit vielen, vielen Ideen, Vorstellungen und Plänen, die offenbar gut zusammenpassen. Klar ist für einen frisch Verliebten "zuhause dort, wo der jeweils andere ist". Das geht zu DEM Zeitpunkt wohl jedem so.
     
    06.08.2012 #14
  15. da capo
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    AW: Zusammen ziehen oder nicht?

    @ Benutzerin @ Jorge
    Auch für mich klingt das etwas "überzogen", wenn ich lese, dass du, Jorge es mit deiner Partnerin "bereits nach kurzer Zeit" schaffst (seit dem 26.7.?), die Hälfte der Woche gemeinsam zu verbringen.......
    Interessant wäre für mich zu lesen, wie es in 3 Monaten oder 6 Monaten ist.................
    Spannend und interessant wird es ja oft, wenn plötzlich Unwägbarkeiten auftauchen, mit denen mann/frau nicht gerechnet hat und die vorher auch nicht besprochen und geprüft werden konnten. Da kann dann die gute Absicht, es miteinander zu schaffen, auch mal auf eine harte Probe gestellt werden. Aber da schreibe ich nix Neues :) und von dir, Jorge kommt ja noch (wenn auch von mir jetzt etwas aus dem Zusammenhang gerissen):

    Da wünsche ich ganz schlicht und einfach: gutes Gelingen - nicht nur kurzfristig, solange noch alles ganz aufregend und voller Glücksmomente ist, sondern ganz besonders längerfristig, wenn unverhofft Hürden und scheinbar unüberwindbare Hindernisse auftauchen.
    LG da capo
     
    06.08.2012 #15