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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. Oregano
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    Zeitpunkt

    Hallo,

    ich bin seit 2 1/2 Jahren wegen Depressionen in Behandlung (Therapie und Medikamente). Es wird wohl auch noch eine Weile dauern bis die Behandlung abgeschlossen ist. Im Moment geht es mir aber sehr gut, sonst hätte ich mich auch nicht bei PS angemeldet.
    Nun meine Frage: Wann sage ich einem potentiellen Partner am besten, dass ich in Behandlung bin? Zu früh möchte ich es nicht erzählen, da ich Angst habe einen möglichen Partner damit zu verschrecken. Zu spät aber auch nicht, da es mir unehrlich vorkommen würde.
     
    14.05.2013 #1
  2. Markus Ernst
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    AW: Zeitpunkt

    Guten Morgen Oregano,

    der richtige Zeitpunkt hängt aus meiner Sicht von mehreren Variablen ab. Zunächst sollten Sie gut auf Ihr eigenes Bauchgefühl hören: bin ich schon bereit, etwas so persönliches und intimes meinem Gegenüber mitzuteilen? Habe ich das Gefühl, meine Situation ist bei dem anderen "in guten Händen"? Zu welchem Zeitpunkt des Kennenlernens dies der Fall ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden - in jedem Fall würde ich nicht schon in der Online-Selbstdarstellung darauf hinweisen sondern warten, bis ein persönlicher Kontakt zu einem potenziellen Partner entstanden ist. Es geht hierbei nicht darauf, wichtige Aspekte der eigenen Person zu verschweigen sondern vielmehr darum, einen geeigneteren Rahmen zu schaffen, um über so persönliche Dinge sprechen zu können.

    Für die Art und Weise wie Sie dann über Ihre persönliche Situation kommunizieren ist es wichtig, dass Sie sich überlegen, welche Auswirkungen die Depression auf Ihren Alltag und auf einen möglichen Beziehungsalltag haben könnte. Ohne eine Erklärung kann es sonst leicht dazu führen, dass sich Ihr Gegenüber überfordert fühlt und Sorge hat, mit Ihrer Erkrankung nicht umgehen zu können.

    Interessant könnte sein, wenn sich auf Ihren Beitrag Mitglieder melden würden und über Ihre eigenen Erfahrungen mit ähnlichen Fragestellungen berichten würden.

    Ich wünsche Ihnen alles Gute!

    Herzliche Grüße aus Hamburg,
    Markus Ernst
     
    15.05.2013 #2
  3. Mathilda
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    AW: Zeitpunkt

    Hallo Oregano,
    damit du meine Zeilen mit einem Schmunzeln lesen kannst:
    - Ich hatte mal eine ("richtige") Depression
    - Ich war mit einem Mann mit Depression incl. Behandlung zusammen
    Daher: Habe ich mich erkundigt, welche Menschen lassen sich von Depressiven anziehen.
    ------------> Sehr unerotische Erkenntnis.......
    Zusammenfassung: "Nur ein Irrer erkennt einen Irren."

    Meine Meinung:
    - Erzähle es erst nach 6 Monaten
    Begründung / Varianten:
    a) Der Mann ist "kerngesund", wer WILL schon einen Depri an seiner Seite,
    bevor er die Möglichkeit hatte, die restlichen 97 %, die dich ausmachen, von dir lieben zu können.

    b) Der Mann ist ein gefühlskalter Ignorant "Och, wie herzallerliebst, sie hat ne Depri,
    na, da kenn ich einen guten Weg, um ihr die zu nehmen...."

    c) Der Mann ist selbst nicht gefestigt "Jippieh! - Sie leidet unter Depressionen. Sie ist schwach,
    da kann ich mich stark und kompetent fühlen und ihr all meine Unzulänglichkeiten unter einem starken Deckmantel verkaufen. Ich leide künstlich mit ihr und mache mich für sie unentbehrlich.
    Die Familie, der Freundeskreis, alle werden jubeln, wie aufopfernd und fürsorglich ich bin.
    Ohne mich geht sie kaputt. Ich bin der Allergrößte. Ich trage eine heldenhafte Verantwortung.

    Meine "Depri" ging nur wenige Monate, ich hatte zu der Zeit keine Beziehung.
    Meine Beziehung mit einem Depri-Mann ging 3 Jahre, nachdem er mir mit Selbstmord drohte,
    habe ich sie dann endlich beendet.
    Die Beziehung war (zu) leidenschaftlich.....positiv wie negativ.....

    Empfehlung: Such dir einen "Kerngesunden".....du brauchst (nicht auch noch) eine lahme
    Krücke an deiner Seite.
    Und dem "Kerngesunden", dem kannst dann in schwierigen Momenten sagen, dass er dein Verhalten nicht persönlich nehmen soll und du Zeit für dich benötigst. Ist er "kerngesund", wird er dir das einräumen.
    Doch: Eine lahme Krücke an deiner Seite, der dich in deiner Not auch noch mit seelischer Erpressung belastet.....bei aller Depression: Nee, DEN kannst du nicht gebrauchen.
     
    16.05.2013 #3
  4. Susi3000
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    AW: Zeitpunkt

    Was ist denn eine falsche Depression?

    Deine Worte sind sehr abwertend und verhöhnend. Jemanden mit einer Depression als lahme Krücke zu bezeichnen ist sehr verletzend. Ein schmunzeln kommt mir da gar nicht über die Lippen.

    Das Thema Depression wird gerne tabuisiert oder heruntergespielt, ist aber eine Krankheit wie viele andere auch und heilbar, wenn sie denn behandelt wird. Jede unbehandelte Depression führt mit 90% Wahrscheinlichkeit zu einem erfolgreichen Suizid.

    Die Begründungen die du anführst sind schlichtweg verachtend. Wenn du es so erlebt hast, wird es weniger an der Krankheit gelegen haben, sondern vielmehr daran, dass du an sehr respektlose und rücksichstslose Egoisten geraten bist. Das das deine Meinung ist ist OK, sie aber als Ratschlag kundzutun empfinde ich als sehr unpassend.

    @Oregano
    Sicherlich ist es ungeschickt soetwas unmittelbar beim ersten kennenlernen anzusprechen. Es muss sich meiner Ansicht nach ergeben. Ich bin mir sicher, wenn ihr euch besser kennengelernt habt, wird sich der passende Moment ergeben. Dein Bauchgefühl wird es dir sagen...
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 18.05.2013
    17.05.2013 #4
  5. agony_gelöscht
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    AW: Zeitpunkt

    Mh? Ich finde diese 6-Monats-Regel nicht besonders toll.

    Das Problem bei Depressionen ist, dass jeder glaubt, dass er weiß, was es ist. Und sobald du diesen Begriff nennst, landest du in einer Schublade. Ich liebe ja Schubladen, aber in dem Fall werden die sehr unpassend sein. Und selbst wenn du einen Partner hättest, der selbst eine Depression hatte: Diese kann komplett anders ausfallen und somit landest du wieder in der falschen Schublade.

    Mich wundert diese lange Behandlungszeit - insbesondere für eine Therapie (Medikamente hast du ja u.U. eh dein Leben lang).

    Mein Vorschlag wäre ein offener Umgang darüber, wer du bist und wie du so tickst (z.B. nachdenklich). Wenn der Partner weiß, wie du bist und dann mit dir zusammenkommen will, dann musst du dir da keinen Kopf machen, ob er früh genug das Label "Depression" kannte - du warst ja dennoch immer ehrlich. Allerdings würde ich es dann sagen, wenn es eine "feste Partnerschaft" wird - direkt vor diesem Schritt sollte man es dem anderen schon sagen: Und zwar nicht, dass du eine Depression hast, sondern dass du wegen Depressionen in Behandlung bist.

    Ansonsten erscheinen mir die Gedanken von Markus Ernst auch ganz nützlich (insbesondere "Kommunikation der Auswirkungen").
     
    17.05.2013 #5
  6. Oregano
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    AW: Zeitpunkt

    Vielen Dank für die netten Antworten.
    Das "Problem" hat sich bei mir fast von selbst gelöst. Ich habe mit jemanden telefoniert, mit dem ich sehr intensiven Kontakt hatte. Während des Gespräches hat es sich ergeben, dass ich sagen konnte, dass ich Antidepressiva nehme. Er hat toll reagiert, in dem er gesagt hat, dass ich mir deswegen keinen Kopf machen soll.
    Als wir uns später getroffen haben, kam das Gespräch darauf. Er hat mir dann erzählt, dass er sich schon Gedanken gemacht hat, in der Richtung, dass ich meine Probleme an ihn weitergebe und erwarte, dass er sie für mich löst. Es war gut, dass wir da so offen drüber reden konnten, denn so konnte ich ihm versichern, dass ich niemanden suche, der mir meine Probleme löst. Dafür habe ich meine Psychologin, die daran mit mir arbeitet. Die genauen Hintergründe habe ich ihm noch nicht erzählt, aber da kommt auch noch der Zeitpunkt.
    Wenn ich wieder in die Situation kommen würde jemanden, an dem ich interessiert bin zu sagen, dass ich Depressionen habe, würde ich es ähnlich machen. Wenn sich die Situation ergibt es erzählen, nicht zu viel und auch versichern, dass ich niemanden suche, der mir meine Probleme für mich löst.

    Ich würde auf keinen Fall 6 Monate warten. Erstens glaube ich nicht, dass sich das so ohne weiteres umsetzen lässt (spätestens wenn er sieht, dass man Tabletten nimmt) ohne den anderen bewusst Dinge verschweigt oder belügt.
    Zweitens würde ich mich als Partner doch sehr wundern, wenn mir nach so langer Zeit so etwas sagt. Ich würde mir da die Frage stellen, ob der andere mir überhaupt vertraut und mich fragen, ob es noch andere Dinge gibt, die der andere mir noch nicht erzählt hat.
     
    19.05.2013 #6
  7. AW: Zeitpunkt

    @Mathilda

    Diese Form des entwertenden Umgangs mit psychischer Erkrankung, noch dazu von einer Betroffenen,die es eigentlich besser wissen könnte, schmerzt mich regelrecht.
    Und bildet sicher viel von der leider immer noch bestehenden Stigmatisierung seelisch kranker Menschen in unserer Gesellschaft ab. Da muß ich mich aufregen.
     
    20.05.2013 #7