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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. maxim
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    Wer kennt ROCD

    Heute bin ich mehr oder weniger zufällig auf das Kürzel ROCD aufmerksam geworden. Es bedeutet "Relationship Obsessive Compulsive Disorder" und meint, dass ein Partner von Zweifeln an der eigenen Liebe und Zuneigung zum anderen befallen wird. Diese äußern sich u.a. dadurch, dass der zweifelnde Partner ständig darüber nachdenkt, ob der andere bspw. äußerlich perfekt ist oder er analysiert, ob der Charakter des anderen auch wirklich zu ihm passt oder ob er nicht zu langweilig ist. Gleichfalls wird die Frage aufgeworfen, ob der andere ausreichend klug und intellektuell für einen selbst ist, oder ob es da draußen nicht doch noch einen Menschen gibt, der besser zu einem passt.
    Solche Menschen haben auch häufig das bohrende Gefühl, vielleicht doch die falsche Wahl getroffen zu haben, sie überprüfen akribisch, ob sie ihren Partner vermissen würden, wenn sie ihn längere Zeit nicht sehen könnten. Sie vergleichen ihre Beziehung ständig mit früheren Beziehungen.

    Ich hatte ja unter dem Titel "Parship funktioniert" berichtet, dass ich eine ganz tolle Frau kennengelernt habe und die begonnene Beziehung perfekt schien. Nun ist etwas mehr als ein Jahr vorbei und ich muss sagen, dass ich mich selbst auch schon dabei ertappt habe, darüber nachzudenken, ob diese Beziehung dasjenige ist, was ich wirklich will.

    Vielleicht geht es jedem Menschen so, vielleicht ist das aber auch einem Optimierungswahn geschuldet, der keine Fehler und Schwächen des anderen toleriert.

    Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht und wie sind diese ausgegangen?
     
    11.02.2019 #1
  2. *Andrea*
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    Denkst du denn, wie die Erfahrungen anderer, die Zweifel hatten, ausgingen, hat einen Einfluss darauf, wie es bei dir ausgehen wird?
     
    12.02.2019 #2
  3. *Andrea*
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    An deiner Stelle würde ich versuchen, meinen eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Motiven auf die Schliche zu kommen.

    Weshalb kommen die Zweifel? Hat sich etwas verändert? In der Beziehung? In der Partnerin? In dir selbst? In eine gute oder schlechte Richtung?

    Warum wünschst du dir etwas anderes? Welcher Antrieb steckt hinter dem Veränderungswunsch? Beispielsweise wenn du dir wünschst, dass du eine intelligente Partnerin hast, tust du dies ganz ehrlich etwa deshalb, weil du denkst, du hättest etwas Besseres verdient, das würde dir ein höheres Ansehen ermöglichen, oder sind es eher Zweifel, dass deine Liebe stark genug ist?

    Was ist es genau, das du dir wünschst? Ist es eine allzu klare Vorstellung von einer Partnerin? Ein höherer Status? Mehr Abenteuer? Inspiration? Besserer Sex? Hochstehendere Unterhaltung?

    Oder ist es eher eine tiefere Liebe?

    Vielleicht helfen dir solche Fragen, dir klarer zu werden, ob die Zweifel ein egoistisches Motiv haben, ein immer mehr Wollen, ein nie zufrieden Sein, oder ob sie eher mehr Ehrlichkeit mit dir selbst (und auch deiner Partnerin) bedeuten.
    Sollte Letzteres der Fall sein, dann kannst du dich fragen, ob du da die Bedingung setzen möchtest, dass du etwas "Besseres" erreichen kannst, oder ob du einfach zu dir und deinen Gefühlen stehen möchtest.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12.02.2019
    12.02.2019 #3
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  4. Aladin
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    @maxim Wenn wir Menschen am Oberarm einen Knopf hätten, mit dem wir kurz und schmerzlos unser Leben beenden könnten, gäbe es uns längst nicht mehr. Das Gleiche gilt für eine Partnerschaft. Berichte über Leute, die Jahrzehnte lang zusammen geblieben sind, berichten übereinstimmend, dass das für jeden ein dauernder Kampf mit sich selbst gewesen ist.
     
    12.02.2019 #4
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  5. Marlene
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    Da bin ich mir nicht so sicher. Erst in der unmittelbaren Konfrontation wächst plötzlich der Lebenswille und die Kreativität wird herausgefordert. Beim Thema "Tod" wie auch bei "Trennung", die ja auch Tod bedeutet. Das ist ja gerade die Kunst: im Bewußtsein der Vergänglichkeit dasjenige hochzuhalten, was wichtig ist und Halt gibt.
    Außer, es ist alles vergeblich. Dann würde ich in einer Beziehung aber auch nicht bleiben. Wenn man bleibt, muss ja irgendetwas halten.
     
    12.02.2019 #5
  6. fleurdelis*
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    Interessant, dass es immer mehr "moderne" Bezeichnungen gibt .... weil:

    könnte man das nicht mit "Zweifel" einfacher benennen? Zweifel, die sich im Laufe der Zeit entwickeln ... Eine Beziehung einzugehen bedeutet doch nicht: Poff ... Peng ... Beziehung und gut is .... sondern eher ein Beginn den anderen näher kennenzulernen .... kann ja sein, dass sich dabei heraus stellt, dass beim näheren kennen lernen, Dinge ans Tageslicht kommen, mit denen man sich nicht anfreunden kann, und somit stille Zweifel im Hinterkopf anklopfen ....

    Das ist ein interessanter Gedanke .... den ich nicht so ganz nachvollziehen kann ... und entscheidend finde ich dabei: der Mensch, die Persönlichkeit, für die man sich für einen intensiveren Kontakt entschieden hat, ist doch das was ansprechend war. Niemand ist ohne Fehler und ohne Schwächen, wenn man diese nicht tolerieren kann, oder will, dann ist der Zug bereits in Position aufzubrechen .... Weil, wenn man einen Menschen mag, weil er so ist, wie er ist, und man egal welche Macken er hat, genau diesen Menschen noch näher kennen lernen will, brauchts keine Optimierung. Weil, was will an der Persönlichkeit optimiert werden? Es wäre dann, nur ein Optimieren zu eigenen Gunsten ... mit Veränderung der Persönlichkeit? .... Aber dann, passt ja was nicht, dann dienen die Macken in willkommener Weise als Grund ..... Das wäre meine Erfahrung, bzw. meine Meinung.
     
    12.02.2019 #6
  7. Lilly22
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    Hallo maxim,

    ich glaube nicht, dass das, was andere tun oder nicht tun, dein (euer) Problem ist, sondern dass es ein ganz normales Resumee eurer Kennenlernphase ist und es allein hiernach nicht unbedingt mehr zum Besten zu sein scheint. Das kann um so schneller bzw. heftiger passieren, um so mehr man sein Gegenüber anfangs bzw. während der Verliebtheitsphase idealisiert oder auf diesen vor allem eigene Bedürfnisse und Wünsche projeziert, anstatt die wirkliche Person dahinter, die eben alles andere als ein "idealer" Mensch usw. ist, sieht. Auch hier treten ähnliche Phasen auf, wie bei einer Trauer / Trennung, also u.a. das Nichtwahrhabenwollen usw. usf., weshalb solche "Wahrnehmungen" durchaus auch gern auf die lange Bank geschoben werden können, bevor man sich denen wirklich annimmt und ggf. Konsequenzen daraus zieht.

    Eine Beziehung mit seinem Partner zu führen heißt im Grunde genommen nichts anderes, als jeden Tag (Moment) zumindest unbewusst eine bejahende Entscheidung für diese (und den Partner) zu treffen. Soweit dies geschieht, ist die Beziehung im Lot. Auch gelegentliche Zweifel gehören m.E.n. im gesunden Maß mit dazu. Denn, so lange diese keine Überhand nehmen, zeigen sie lediglich, dass man selbstreflektiert eben auch die "Schattenseiten" seines Partners registriert oder sonstiger Veränderungen usw. und diese akzeptieren kann oder eben nicht.
    Man ist dann also nicht nur blind weiterhin beim Partner, weil man einmal vor x-Zeiten eine Entscheidung für diesen getroffen hat, sondern, weil man wirklich noch bei diesem ist, sich mit diesem wohl fühlt usw. usf.

    Hinzu kommt eben, dass in der Verliebtheitsphase die Welt rosarot gemalt wird und man hier eher alltagsbestimmenden "Reibungen" lieber noch aus den Weg geht, weil das Gefühl der Verliebtheit/ Harmonie viel zu schön ist
    usw. usf. Man neigt also dazu, u.a. z.B. eher Kompromisse einzugehen, die einen auf lange Sicht aber durchaus wirklich stören oder gar einengen, verbiegen könnten. Irgendwann holt einen aber der Alltag usw. ein und man muss seine Beziehung hier erproben. Sind wir wirklich ein so gutes Team oder eher doch nicht usw. usf.?

    Ich bin der Überzeugung, dass ein Partner einem immer auch einen Spiegel vorhält. Nicht nur über eigene Defizite (z.B. die Unfähigkeit für sich selbst gesunde Grenzen stecken zu können oder zu eng gesetzte Grenzen mal zu erweitern, um insgesamt gesund toleranter sein zu können), sondern u.a. auch über eigene Bedürfnisse/ Wünsche, also all jene Sachen, bei denen man sich so u.a. selbst zu sehr vernachlässigt oder man gar selbst noch zu ängstlich/ blind usw. unterwegs ist.
    Es kann also durchaus auch eine positive Herausforderung darstellen, sich diesen "Baustellen" widmen zu wollen, um sich darüber selbst weiter zu entwickeln.
     
    12.02.2019 #7
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  8. *Andrea*
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    Auch über diese Motive könnte man versuchen, sich klarer zu werden. Liebe wäre wohl ein tragfähiger Grund, um zu bleiben. Aber es könnte ganz viel anderes dahinter stecken, z.B. nicht scheitern wollen, niemandem weh tun wollen, nicht zugeben können, dass man sich geirrt hat, Angst vor dem Alleinsein, Bequemlichkeit, ein Idealbild von seiner Liebesfähigkeit aufrecht erhalten wollen, finanzielle Überlegungen, die gemeinsamen Pläne nicht loslassen können, Aufwand und Frust neuer Partnersuche scheuen etc.
     
    12.02.2019 #8
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  9. maxim
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    Liebe *Andrea*, ja, vielleicht. Mich würde interessieren, wie es anderen erging die auch solche Zweifel hatten.
    Letztlich ist vieles eine Momentaufnahme. Nach mehr als einem Jahr ist jedenfalls die Verliebtheitsphase vorbei. Und dann ist es möglicherweise auch normal, die Beziehung realistisch zu sehen. Das bedingt auch, dass man die Schwächen des anderen nicht nur kennen gelernt hat, sondern auch zu akzeptieren lernt.
    Heute beispielsweise geht es mir wieder so, dass ich sie sehr vermisse. Ich kann wieder ihre positiven Seiten sehen und schätzen. Ich bin ja leider auch nicht perfekt. Sie hatte mir zu Weihnachten die "Anti Klugscheißeritis Pillen" geschenkt, gegen permanente Besserwisserei und ich ihr die "Anti Zicken Dragees" gegen andauernden Zickenalarm. Wir beide konnten darüber lachen. Das ist vielleicht die beste Ausgangsbasis.
     
    12.02.2019 #9
  10. maxim
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    ja, das ist wohl so.
     
    12.02.2019 #10
  11. TruppenurseI
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    Die Kurzfassung des Ganzen nannte man früher "Wenn es dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis tanzen".
     
    12.02.2019 #11
    IMHO, Hannes2004, AlexBerlin und 3 anderen gefällt das.
  12. fafner
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    Nein.
    Dann müßtest Du da halt ran. Falls Du jemals noch eine Beziehung über die Verliebtheitsphase hinaus führen möchtest. Der Schlüssel liegt bei Dir.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13.02.2019
    13.02.2019 #12
  13. AlexBerlin
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    Glaube ich auch.
    Liebe, wie ich sie verstehe, kann sich nur entwickeln, wenn ich mich irgendwann für den anderen entscheide. Dann wird sie inniger und der Partner immer weniger austauschbar, denke ich.
    Dass man in den ersten Monaten Eigenschaften am Partner entdeckt, die dazu führen, dass man die Beziehung beendet, kann passieren, glaube ich. Auch dass eine Partnerschaft durch Schicksalsschläge wie Krankheit oder berufliche Probleme in Schieflage gerät, kann sein.
    Wenn jedoch eigentlich alles unverändert ist, aber einer den Eindruck bekommt, dass „das Gras auf der anderen Seite der Wiese grüner ist“, dann ist das, glaube ich, eine Charaktereigenschaft, die nicht nur bezogen auf eine Partnerschaft schwierig ist.
    Wer so tickt, rennt immer rastlos irgendwelchen Idealen hinterher, aber kommt nicht an.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13.02.2019
    13.02.2019 #13
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  14. maxim
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    Ja, das ist richtig. Ich will die Beziehung auch nicht aufgeben. Mir ging es ja nur darum, ob andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wie sie damit umgegangen sind und welche Einstellung sie dazu haben..
     
    13.02.2019 #14
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  15. fleurdelis*
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    Nein, ein Partner hält einem keinen Spiegel vor, diese Behauptung lehnt sich doch gerne an inzwischen esoterische Begrifflichkeiten. Eine Spiegelung mag vorkommen, aber sie definiert sich anders. Sie kann in einer Analyse einen Hinweis auf ein gewohntes Verhaltensmuster in Bezug auf tief verwurzelte Ursachen geben. Das geht in den psychologischen Bereich. Ansonsten geben diese Spiegelbehauptungen dem Gegenüber und aussenstehenden Ratgebern einen hervorragenden Grund für Killerphrasen.
     
    13.02.2019 #15
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