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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. Maxine
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    Wenn jemand bereits vor dem Kennenlernen von Liebe spricht

    Ich habe gerade eine sehr besondere Begegnung erlebt, einen faszinierenden Mann von irritierender Offenheit, was das eigene Privatleben betraf, kennengelernt. Der seine Kinder einbezog, am ersten Abend von gemeinsamer Zukunft sprach, ja schon vorab vorgab, zu lieben und das eigene Bild befremdlicherweise an Freunde versendet und um deren Genehmigung ansucht und einem dann auch noch davon erzählt. Ein beinahe schon rücksichtsloses, in der Wiederholungsschleife geradezu langweilendes Bombardement mit Gunst- und Liebesbezeugungen mit Feuerwerkscharakter ging dem Treffen voraus. Ich hatte virtuell bereits den Haustürschlüssel überreicht bekommen, ohne je die Haustüre je in natura gesehen zu haben.
    Ein gewandter, gebildeter Mann in fortgeschrittenem Alter mit dem frappierenden Aussehen eines Jünglings, das er auch als Eigencharakterisierung hervorstreicht, der ganz virtuos die emotionale Klaviatur beherrscht, bewusst aus der Reserve lockt, Vertrauen einfordert. Bedrängt.
    Meine Bedenken, der rasanten Entwicklung wegen, ließen mich postwendend vom Himmel voller Geigen hinab in die Verdammnis fahren. Das Ende ist nicht anders als unschön zu bezeichnen. Liebe? Leere Worthülse. Das war zuvor schon sonnenklar.
    Was diese Erfahrung tatsächlich schmerzhaft macht, ist diese Kehrtwende und Bereitschaft zur absoluten Entwertung nach realitätsferner Idealisierung am Podest. Absichtliches Missverstehen von Gesagtem, um es als Legitimation für eine Serie an Affronts zu benutzen.
    Wie kann frau sich vor derlei Verletzung von Würde und Verstand, nicht zuletzt auch Emotion, schützen und gleichzeitig nicht unnahbar werden, offen bleiben für den einen, der nicht nur Blabla anbietet, sondern es wert ist? Und wie umgehen mit der Entwertung, die einen schalen Nachgeschmack hinterläßt, egal wie sehr man rationalisiert und sich wegen der Skurrilität des Erlebten bereits selbst die Absolution erteilt? So viel kann ich doch in wenigen Stunden gar nicht falsch gemacht haben, das ein derartig stilloses Benehmen rechtfertigt. Der Mann ist, wegen meiner in Ferndiagnose festgestellten Beziehungsunfähigkeit, vor welcher er seine Kinder schützen muss, die ich weder kenne, noch zwingend dringend kennenlernen wollte, laut eigenen Angaben derart am Boden zerstört, dass er wieder online geht, noch während er mir privat das Wort im Mund umdreht.
    Wie unterscheidet man den Narziss schon sehr viel früher vom Naiven? Worauf achten, um sich derlei Fremdschämen und Zeitvergeudung zu ersparen? Gleich das Weite suchen, trotz verlockend hoher Matchingpunkte?
    Und wieso drischt man verbal auf den anderen ein, anstatt einfach leise “Servus” zu sagen? Ein bißchen Supermarktcharakter hat das hier schon. Wider besseres Wissen doch aufgewühlt und auch traurig. Waren wohl trotz Alarm im Hinterkopf genau die richtigen Töne, die angeschlagen wurden...
     
    12.10.2018 #1
  2. Markus Ernst
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    Liebe Maxine,
    bitte entschuldigen Sie die (urlaubsbedingte) späte Antwort auf Ihren Beitrag.

    Sie haben den Prozess des Kennenlernens – incl. des plötzlichen Abbruchs - sehr anschaulich beschrieben. Egal wo wir einem fremden Menschen begegnen (online/offline), es wird immer ein schmaler Grat sein zwischen emotionaler Offenheit (und damit auch Verletzbarkeit) und vorsichtiger Zurückhaltung (und damit evtl. dem Vermitteln von Unnahbarkeit). Hierbei das richtige Mittelmaß zu finden, ist nicht immer einfach. So enttäuschend und verletzend es auch gewesen ist, letztlich können Sie aus dem Erlebten nur lernen. Wenn eine Person beim ersten Date bereits von einer gemeinsamen Zukunft spricht, (virtuell) den Hausschlüssel überreicht und von Liebe redet, müssen alle Alarmglocken schrillen – und das alles, ohne sich wirklich zu kennen. Für mich klingt das sehr auffällig. In so einem Fall würde ich raten, selbst einen Gang zurückzuschalten und die Situation in Ruhe, ggf. auch mit vertrauten Personen aus dem eigenen Umfeld, zu analysieren. Das bedeutet nicht zwangsläufig, gleich das Weite zu suchen, heißt aber, die „Beziehung“ mit klarem Kopf zu hinterfragen.

    Natürlich weiß ich nicht, ob der betreffende Herr narzisstische Züge oder gar eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat, will aber auf Ihre konkrete Frage allgemein antworten (woran erkennt man einen narzisstischen Menschen?). Narzissten wirken oft sehr anziehend, sind kontaktfreudig, charmant und eloquent. Doch ein Egozentriker liebt vor allem sich selbst. Deshalb hat eine Frau in seinem Leben eigentlich keinen Platz, trotzdem braucht er sie. Meist laufen Beziehungen mit einem Narzissten ähnlich ab: Man lernt ihn kennen, ist sofort Feuer und Flamme und hat das Gefühl, den Mann fürs Leben gefunden zu haben. Ein selbstverliebter Mann braucht allerdings vor allem eines: Bestätigung. Meist geht es sogar so weit, dass die Frau an seiner Seite ihn immer wieder bestätigen soll. An diesem Punkt sollte man spätestens die Reißleine ziehen. Denn wenn man seine eigenen Bedürfnisse stets herunterschraubt, machen sich schnell Frust und Enttäuschung breit. Eine Beziehung ist unter diesen Umständen zum Scheitern verurteilt. Der Psychiater Rainer Haller hat die vier wesentlichen Kriterien (die vier "E's") für einen Narzissten zusammengestellt. Eines davon ist die Egomanie, denn meist drehen sich Gespräche nur um ihn. Probleme oder Gefühle anderer nehmen Narzissten oft nicht wahr. Zum anderen: Empfindlichkeit, denn Selbstverliebte sind schnell gekränkt und vertragen meist keine Kritik. Ein weiteres "E" steht für Empathiemangel. Ein Egomane schafft es einfach nicht, auch einmal Mitgefühl mit anderen zu haben, da seine Gefühle an erster Stelle stehen. Das vierte "E" steht für die Entwertung. Ein Narzisst steht fast immer im Mittelpunkt und instrumentalisiert den anderen für das eigene Wohlbefinden.

    Einiges spricht in der Tat dafür, dass dieser Mensch, den sie kennengelernt haben, zumindest narzisstische Züge besitzt. Dazu passt auch die Abwertung Ihrer Person zum Ende der „Beziehung“. Wichtig ist für Sie nun, dass Sie die Schuld für das Erlebte und den Verlauf der „Beziehung“ nicht bei sich suchen. Versuchen Sie, nach vorne zu blicken und Ihre Lehren daraus zu ziehen. Nicht jeder Mensch, der schon zu Beginn eines Kennenlernens überschwänglich und offensiv agiert, muss ein Narzisst sein. Summieren sich aber die Anzeichen, sollten Sie die Signale wahrnehmen und entsprechend handeln. Ich wünsche Ihnen alles Gute!

    Herzliche Grüße aus Hamburg,
    Markus Ernst
     
    22.10.2018 #2
  3. Maxine
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    Sehr geehrter Herr Ernst

    Besten Dank dafür, dass Sie sich nach Ihrer Rückkehr -ich hoffe, gut erholt und guter Dinge- Zeit nahmen, zu antworten.
    Ich lernte in der Zwischenzeit einen weiteren Mann “kennen”. Ähnliches Szenario. Ähnlich bitterer Nachgeschmack zum Schluss. Zu schnell, viel zu viel Angebot, bis hin zur (völlig uninteressanten) Information über das (beachtliche) Jahresgehalt... die zweite detailliert geplante Zukunft, die binnen kurzer Zeit im Sumpf der Entwertung verpufft. Ich bin diesmal nämlich, mit Röntgenblick, übernatürlich begabt, gar eine Hexe... Ich kann nicht umhin, bereits jetzt eine gewisse Art von Abstumpfung festzustellen. Der Alarm ging diesmal rechtzeitig los. Es tut gar nicht weh. Ich bin nur etwas erstaunt - und ratlos.
    Grüße an Sie,
    Maxine
     
    23.10.2018 #3
    Tone gefällt das.
  4. Friederike84
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    Hallo @Maxine
    Nein, das glaube ich nicht, dass du bei Mann Nr. 1 viel falsch gemacht hast.
    Ob nun narzisstische Tendenzen oder schlicht vereinnahmend und aufgrund unpassend empfundener Resonanz wütend und böse - Fakt ist es hat nicht gepasst.
    Das kann man manchmal nicht. Zumal auch Narzissten ihre Persönlichkeit ja häufig erst nach einigen schönen Momenten (in diesem Fall Briefen, Mails, Telephonaten) langsam zeigen und sich bis dahin durchaus Bindung entwickeln kann.
    Was spricht gegen eine Zäsur im Daten? Diese (nun schon zweifache) Erfahrung verarbeiten?
    Vielleicht ist es keine Abstumpfung, sondern Traurigkeit, die sich schlicht nicht zeigen kann. War ja auch kaum Zeit insgesamt, vor allem aber zwischen den beiden Begegnungen etwas zu verarbeiten...
     
    Zuletzt bearbeitet: 23.10.2018
    23.10.2018 #4
  5. Maxine
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    Hallo, @Friederike84
    Die Zäsur schob sich ganz autonom durch mehrere zusammentreffende Umstände in den Fluß - und hat gut getan. Vielen Dank für den freundlichen Zuspruch, der gerade in Phasen des unerbeten, aber zwangsläufig erhaltenen Feedbacks sehr gut tut.
    Maxine
     
    30.10.2018 #5