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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. Porcia72
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    Vertrauen aufbauen.

    Mein Exmann (49) und ich (46) sind seit etwas mehr als einem Monat wieder ein Paar.
    Es läuft im Grunde prima, würde es nicht an der Grundvoraussetzung "Vertrauen" meinerseits happern. Zur Geschichte: Nach 14 Jahren, 4 davon verheiratet, großen Selbstwert Problemen meinerseits und viel Einfluss von außen habe ich vor drei Jahren meine Koffer gepackt. Anfangs wahr es nur ein flüchtige Begrüßen, wenn er unsere Tochter holte. Seit etwas mehr als einem Jahr wurden wir gute Freunde, meine Gefühle wurden gestärkt, auch wenn ich mich sehr dagegen sträubte. Wollte/konnte mir aber auch keine Beziehung mit jemand anderem vorstellen. Liebte mittlerweile meine Unabhängigkeit. Er signalisierte mir schon, dass er auch Gefühle hat, in dem er mich zu Ausflügen mitnahm, öfters unangemeldet zu Besuch kam, zu diversen Feierlichkeiten mich mitnahm usw.
    Selbstwertgestärkt durch Therapie, gelöst von den Manipulatoren nahm ich meinen Mut zusammen und teilte ihm mit, dass ich genau diese kleinen Aufmerksamkeiten vermisst habe in unserer Ehe, da gestand er mir, dass es eine andere Frau für gelegentliche Treffen gäbe, jedoch nichts ernstes, hatte er jedoch bis zu jenem Zeitpunkt immer verneint. Hab es dann sacken lassen und dabei belassen. Er war jedoch trotzdem jederzeit da. Bei der Firmung unserer Tochter unterbreitet er mir dann, dass er sich teure Theaterkarten besorgt hat. Ich wollte jedoch unserer Tochter den Tag nicht versemmeln und schluckte.
    Ein paar Tage danach kamen wir zufällig zu reden und wieder teilte er mir mit, dass es nichts ernstes sei. Ich fragte ihn, weil er meinte, dass er schon auch Gefühle hätte, ob wir nicht nochmal einen Versuch starten könnten. Er erbat sich Zeit, die ich ihm selbstverständlich gewährte. Drei Tage später am Muttertag holten sie mich ab, wir verbrachten den Tag und am Abend beendete er die Affäre.
    Seither - wir vereinbarten vorerst nur Wochendkontakte - verbringen wir gemeinsame Stunden mit unserer Tochter, aber auch nur zu zweit, die uns abgingen und nicht nur wochends (geht von ihm aus)
    Anfangs stand die andere noch sehr zwischen uns, doch durch sein Bemühen wurde es schon besser, doch manchmal rührt er sich 2 Tage gar nicht bzw will er nicht über die Dame reden. Er zeigt sehr viel Verständnis, doch gerade seine Nachtschicht macht mir zu schaffen. Was kann ich selbst beitragen, um das Vertrauen zu stärken. Ich will es mir ja nicht kaputt denken.
    Bitte um Entschuldigung für den langen Text. LG
     
    18.06.2019 #1
  2. Markus Ernst
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    Hallo Porcia72,

    vielen Dank für Ihre Offenheit und den ausführlichen Bericht zu Ihrer aktuellen Situation.
    Sie schreiben ganz zu Beginn, dass Vertrauen eine wesentliche Voraussetzung für eine stabile und glückliche Partnerschaft ist. Vertrauen ist die Voraussetzung für intakte, glückliche und funktionierende Beziehungen. Im Job müssen wir vertrauen, weil wir nicht alles alleine schaffen, dem Partner, um unser Leben mit ihm teilen zu können und Freunden, damit sie diese Bezeichnung überhaupt verdienen. Es ist unmöglich, immer alles zu kontrollieren, schon gar nicht das Verhalten unserer Mitmenschen. Deshalb ist es für ein glückliches Leben unumgänglich, bestimmten Menschen unser Vertrauen zu schenken. Das ist aber nicht immer einfach. Insbesondere dann, wenn es in der Vergangenheit zum Vertrauensbruch kam oder die frühkindliche Entwicklung belastet war, ist es gar nicht so leicht, Angst und Misstrauen wieder abzulegen. Es ist aber durchaus möglich, an der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten und sich weiter zu entwickeln.

    Zunächst sollte man versuchen, das eigene Misstrauen zu verstehen: wurde das eigene Vertrauen in der Vergangenheit häufig missbraucht? Liegen die Wurzeln evtl. in der Kindheit? Wenn klar ist, woher die Schwierigkeit, einem anderen Menschen zu vertrauen, ihren Ursprung hat, wird deutlich, wovor dieses Misstrauen die eigene Person schützen soll.

    In einem nächsten Schritt sollten Sie sich klar machen, was „Vertrauen“ zu Ihrem Partner konkret für Sie bedeutet. Wie soll sich dieses Vertrauen äußern? Was wird besser werden, wenn Sie Vertrauen schenken können? Hilfreich ist hierbei, sich an Beispiele zu erinnern, bei denen Sie selbst anderen Menschen Vertrauen geschenkt haben und nicht enttäuscht wurden. Also, sich positive Erlebnisse im Zusammenhang mit eigenem Vertrauen bewusst machen.

    Ein weiterer – und wesentlicher – Aspekt, ist das Selbstvertrauen. Menschen mit wenig Selbstvertrauen haben auch Schwierigkeiten, anderen zu vertrauen. Es geht also darum, Selbstzweifel zu bearbeiten und abzubauen.

    Schließlich ist es noch wichtig, Geduld mit sich zu haben. Vertrauen kann man nicht schnell aufbauen, das braucht Zeit. Viele kleine Schritte können letztlich dazu führen, dass es wieder gelingt, einem anderen Menschen Vertrauen zu schenken.

    Zu Ihrer persönlichen Situation: bzgl. seiner „Beziehung“ zu einer anderen Frau sollten sie beide offen sprechen können und es muss Klarheit herrschen. Möglicherweise hilft hier nochmal ein klärendes Gespräch.

    Alles Gute und herzliche Grüße aus Hamburg,
    Markus Ernst
     
    23.07.2019 #2
    Porcia72 gefällt das.
  3. Porcia72
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    Lieber Herr Ernst,.

    danke für die ausführliche Antwort.

    Jetzt nach 3,5 Monaten Beziehung, kann ich glücklich behaupten, dass wir am besten Weg sind. Mein Partner ist sehr bemüht und das Vertrauen wächst von Tag zu Tag und auch wenn ich ab und zu durch unbedacht Meldungen seinerseits abzurutschen drohe, fängt er mich auf, versteht aber auch, wenn ich mich in meine 4 Wände zurückziehen will.

    LG
     
    22.08.2019 #3