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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. tigersleep

    tigersleep

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    Psychische Störungen in der Partnerschaft

    Ein Thema, das finde ich viel zu oft totgeschwiegen wird, sind psychische Störungen in der Partnerschaft.

    Eine Frau mit der ich eine längere und eigentlich sehr harmonische Beziehung geführt habe, hatte mit einer Angststörung und Depressionen zu kämpfen. Von beidem hatte ich zwar schon mal gehört, kannte aber niemanden, der ähnliches durchlitt. Ich wusste bei ihr nichts davon, was ja irgendwie auch verständlich ist, mit solch privaten Dingen geht man halt nicht zu Beginn hausieren. Dementsprechend unbeholfen war meine Reaktion, als sie erstmals in meiner Gegenwart so eine Panikattacke überkam. Ich meine, was machst du da, wenn der Mensch den du liebst plötzlich in Panik aufgelöst ist, hektisch atmet, sich die Hände vors Gesicht hält und weint? So von jetzt auf gleich? Ich war damals völlig hilflos, nahm sie in den Arm, versuchte zu trösten und verstand die Welt nicht mehr.

    Der Moment ging vorbei und später "beichtete" sie mir, dass sie gelegentlich solche Angstanfälle bekäme. Häufig kündigten die sich nicht vorher an, sondern kamen so aus dem Nichts. Dazu kam bei ihr eine, ich will es mal depressive Neigung nennen. Neigung, weil es nie diagnostiziert wurde, von den Symptomen her aber zu dem passte was ich mir daraufhin über Depressionen und Angststörungen anlas. Besonders schlimm wurde es in der dunklen Jahreszeit.

    Das perfide an der ganzen Sache war, dass es halt kam und ging, nur um dann von einem Moment auf den nächsten wieder aufzutauchen. Irgendwann hatte ich das Gefühl eine Art Paranoia zu entwickeln: Geht es ihr gut? Was tu ich wenn sie wieder einen Anfall kriegt? Was mach ich, wenn ich sie nicht rechtzeitig geerdet und irgendwie in Sicherheit gebracht kriege, wenn sie sich hineinsteigert und es richtig übel wird? Und, so gemein das auch klingt wenn ich es jetzt schreibe: Es schwebt wie eine Wolke über allem, ganz besonders über den schönen Momenten: Bitte, bitte, lass uns dieses Mal eine schöne Zeit haben, lass uns doch diesen einen Moment zusammen haben und einfach so genießen.

    Weil ich mir wirklich Sorgen um sie machte, versuchte ich das Ganze anzusprechen. Also sagte ich, was mir durch den Kopf ging: "Ich mache mir Sorgen um dich und ich seh doch, dass es dir nicht gut geht. Ich glaube, du brauchst Hilfe." Bei ihr schien nur "Du hast ein Problem" anzukommen, oder noch schlimmer: "Du bist das Problem". Sie war sehr verletzt, weil sie sich von mir erwartet hatte, dass ich sie einfach so akzeptiere wie sie war. Und das tat ich eigentlich. Ich konnte damit sein, dass sie Probleme hatte und ich war bereit mit ihr daran zu arbeiten. Aber nur daneben zu stehen und zuzusehen, das konnte ich nicht. Und das wollte ich auch nicht. Es machte mich richtiggehend innerlich wütend, dass diese Krankheiten sie so beutelten und sie nicht dagegen kämpfen wollte. Schwächen akzeptieren hin oder her, aber kann man das wirklich in einer Partnerschaft verlangen? Das meine ich jetzt ganz ehrlich als Frage: Kann man das von jemandem erwarten, dass er neben dem Menschen steht den er liebt und sagt: Ja, lass es dir so schlecht gehen wie du magst und fall in dir zusammen, ich schau da gerne bei zu. Ich konnte das jedenfalls nicht, und ich glaube ich könnte es auch heute nicht.

    In Kombination verstärkten sich die beiden Störungen nur noch mehr. Ich hatte das Gefühl nicht mehr zu ihr durchzudringen, als wenn sie mir irgendwie fremd wurde. Da half kein Reden, keine Umarmung und auch kein Ignorieren. Über die Zeit brach unsere Kommunikation zusammen und damit am Ende auch die Beziehung. Kleines Trostpflaster: Heute scheint es ihr besser zu gehen, nachdem sie für sich erkannt hat, was sie da mit sich rumträgt.

    Habt ihr Erfahrungen mit psychischen Störungen in euren Partnerschaften gemacht? Was habt ihr gelernt, was würdet ihr heute anders machen als damals? Was genauso?
     
    07.11.2017 #1
  2. TPT

    TPT

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    Für mich klingt es sehr unberechenbar und schwer nachvollziehbar, daß jemand so aus dem Nichts, plötzlich so einen Anfall bekommt. So nach dem Motto, wir haben gerade einen lustigen Film gesehen, das Wetter ist super, alle sind prima gelaunt und auf einmal fängt sie an zu zittern und zu weinen. Ich könnte mit so einem Menschen keine Beziehung führen. Meine Vermutung ist aber eher, daß nichts einfach so aus dem nichts kommt, sondern irgendwelche Dinge aktuell vorgefallen sind? also ich würde denken, wenn wirklich alles in ihrem Leben prima ist und sie dennoch solche Anfälle bekommt, eine ernstzunehmende Krankheit vorliegt?
     
    07.11.2017 #2
  3. Traumichnich

    Traumichnich

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    Obersatz : Du kannst niemanden zu seinem Glück zwingen.

    Ich vergleiche solche Krankheitsbilder gerne mit denen Abhängiger, Süchtiger : Erst wenn der (Leidens-) Druck so groß wird, daß sie selbst eine Änderung herbeiführen möchten, hast Du eine Chance, mit Theraphievorschlägen auch nur durchzudringen.

    Und ähnlich wie bei Abhängigen mußt Du selbst gut auf Dich aufpassen, wie weit Du mitzugehen bereit und - was IMVHO viel wichtiger und letztlich entscheidend ist - in der Lage bist. Und notfalls mußt Du halt die Reißleine ziehen und Dich zurückziehen, um Dich selber zu schützen. Sonst läufst Du Gefahr, daran kaputt zu gehen.

    Und damit hilfst Du weder ihr noch Dir.
     
    07.11.2017 #3
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  4. fafner

    fafner

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    Also Panikattacken sind keine "psychische Störung". Für mich jedenfalls nicht. Hatte ich anfangs meiner 30er ein paar mal. Etwa ein Drittel aller Erwachsenen hat die mindestens einmal im Leben. Insofern irritiert mich das überhaupt nicht.

    Ich konnte mich damals selbst von befreien, in dem Moment, wo ich wußte, daß es nichts organisches ist. Ich war beim Kardiologen. Man hat halt Todesangst. Das ist nicht witzig. Ich vermute, ein echter Herzanfall fühlt sich haargenau so an.

    Depressive Stimmungen sind ja nun auch nicht gerade selten. Schon gar nicht in dieser scheiß Jahreszeit. Und die Spanne bei den Betroffenen ist riesig. Das kann halt bis zur völligen Unfähigkeit gehen, ein normales Leben führen zu können. Ab wann die Behandlungswürdigkeit einsetzt, kann ich nicht sagen.
    Das ist natürlich äußerst egoistischer Unfug. :(
     
    07.11.2017 #4
  5. tigersleep

    tigersleep

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    Natürlich ist es das. Ich habe ja nicht behauptet alles richtig gemacht zu haben damals. Ich bin halt auch nur ein Mensch und ich bin damals schier verzweifelt. Ich habe bewusst geschrieben, dass ich innerlich am kochen war, ich bin ihr gegenüber nicht ausfällig geworden oder habe sie bedrängt oder so. Es hat mir einfach innerlich nur weh getan und mich Verzweifeln lassen, dass sie so gar nichts dagegen tun wollte - im Gegensatz zu dir ist sie nicht beim Hausarzt vorstellig geworden oder hat sich sonst irgendwie Hilfe geholt.

    Das war irgendwann auch meine Erkenntnis, und die ist sehr sehr bitter in der Situation.
     
    07.11.2017 #5
  6. Jacinta

    Jacinta

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    Naja, wenn jemand ein Problem hat und daran nicht arbeiten will, finde ich es ganz normal, wütend zu werden.
    So als ob jemand mit Diabetes weder auf seine Ernährung noch sonst etwas achtet und dann vom Partner erwartet, dass dieser einen dann schön pflegt...

    Ohne Übernahme von Eigenverantwortung ist m.E keine Beziehung möglich.

    Edit: natürlich ist gegenseitige Unterstützung essentiell, aber es gibt Menschen, die sich nicht mit sich selbst auseinander setzen wollen und vom Gegenüber grenzenloses Verständnis erwarten... Diese Situationen meine ich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 07.11.2017
    07.11.2017 #6
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  7. fafner

    fafner

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    Ja klar. Alkoholiker sind auch selbst schuld, daß sie nicht loskommen.

    STUSS! o_O
     
    07.11.2017 #7
  8. Jacinta

    Jacinta

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    Ich liebe dich gesund ist also deine Einstellung @fafner ? :)

    Dann viel Erfolg. Man kann ja nur sich selbst treu bleiben.
     
    07.11.2017 #8
  9. Synergie

    Synergie

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    @tigersleep
    Meine Vorahnung: eine anständige Diskussion/ Auseinandersetzung/ Unterhaltung zum Thema wirst du hier nicht zustande bekommen...

    Viel Glück, dennoch.
     
    Zuletzt bearbeitet: 07.11.2017
    07.11.2017 #9
  10. Sandbank

    Sandbank

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    zuerst, tigersleep, möcht ich dir sagen, dass ich deine Gedanken ihr zu helfen, deine Verzweiflung, sie leiden zu sehen ohne helfen zu können, völlig verstehen kann...und ich empfinde für deine Offenheit hier und auch ihr gegenüber große Hochachtung!
    Ich glaube, das Problem bei Panik- oder Angst- Attacken ist, dass man sich das Gefühl dabei nicht wirklich vorstellen kann, wenn man sie nicht selbst erlebt hat- es bleibt immer ein Stück graue Theorie. Dafür gibt es, insbesondere um die hyperventilierende Atmung wieder reguliert bekommen, relativ einfache Hilfsmittel wie in eine Tüte atmen. (das klingt albern, ist aber ziemlich wirkungsvoll)
    Solche Anfälle kündigen sich kaum länger vorher an, aber wenn sie da sind, geht alles rasant schnell. Und natürlich gibt es dafür Ursachen, die oft nichts mit der eigentlichen Situation zu tun haben außer, dass die Situation möglicherweise eine Stressituation oder sehr emotionale Situation ist. ( fallabhängig)

    Der Irrtum an diesem Gedanken ist glaube ich, der/diejenige will nur nicht kämpfen, es sei eine Schwäche. Depressionen/ depressive Episoden machen aber genau das, sie nehmen jegliche Kraft zum Kämpfen. Man KANN nicht (mehr) kämpfen. Und es ist wohl auch oft so, dass gerade die Menschen, die einem am nächsten sind, einem nicht helfen können. Zumindest hat man das Gefühl als Betroffener....weil man sich selbst, den eigenen Körper anfangs oft gar nicht versteht, wiedererkennt und dieses Eingeständnis der eigenen 'Unfähigkeit' auch sich selbst gegenüber zu Scham führt...befeuert dadurch, dass es immer noch und trotz aller Publicity ein Tabuthema ist, dem der Beigeschmack von Unzulänglichkeit des Betroffenen anhaftet. Dieses Gefühlschaos braucht Zeit, um entwirrt werden zu können, und wie auch schon von anderen geschrieben, es ist für den Partner eine unsägliche psychische Belastung, die man nicht unterschätzen und für die man sich, das wäre immer mein Rat, auch als nächster Angehöriger professionelle Unterstützung holen sollte.
    Letztendlich, und das bestätigst du ja auch, ist es durchaus möglich, dass sich ein Betroffener sowohl von Panikattacken als auch von depressiven Episoden 'erholt' und im besten Falle nie wieder in seinem Leben davon betroffen sein wird, wenn er die wirklichen "Auslöser" verstanden hat. Das heißt manchmal, das Leben 'neu' lernen zu müssen, hört sich pathetisch an, ist aber genau das.
     
    07.11.2017 #10
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  11. fafner

    fafner

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    Blödsinn.

    Der Tiger hat nur überhaupt nicht begriffen, was in der Frau vorgeht, weil er viel zu sehr mit seinen eigenen Befindlichkeiten, die sich aus ihrer Situation ergaben, beschäftigt war. Kein Wunder, daß es ihr ohne ihn dann besser ging.
     
    07.11.2017 #11
  12. Sandbank

    Sandbank

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    das mag sein, und trotzdem bleibt es für mich vollkommen nachvollziehbar, dass es für einen Nichtbetroffenen schwer ist, 'theorethisch' zu begreifen.
     
    07.11.2017 #12
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  13. tigersleep

    tigersleep

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    Ich glaube du liegst da richtig @Synergie Schade drum.
     
    07.11.2017 #13
  14. Ariadne_CH

    Ariadne_CH

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    Wenn man bedenkt wie viele Menschen in ihrem Leben mal an einer psychischen Erkrankung leiden, kann man sich leicht ausrechnen, wie viele Beziehungen davon betroffen sind.
    In deinem Fall, @tigersleep wäre es sicher wünschenswert gewesen, wenn dich deine damalige Freundin vor ihrer ersten Panikattacke informiert hätte, dass dies bei ihr vorkommen kann. Ich hatte einmal in meinem Leben eine solche Panikattacke als ich in einer für mich extrem schwierigen Lebenssituation war. Ich bin dann auch zum Arzt, weil ich dachte, dass mein Herz stehen bleiben könnte. (Es ist irrational, aber es fühlt sich halt genauso an.)
    Viele Menschen mit Depressionen erkennen ihre Krankheit nicht als solche und statistisch gesehen, dauert es im Schnitt sieben Jahre (!) bis sich jemand damit in Behandlung begibt. In der Zeit kannst du als Partner wirklich nicht viel machen und ich kann nachvollziehen, wie zermürbend das sein muss.

    Ich glaube nicht, dass es einen "richtigen" Umgang mit einem Partner mit einer psychischen Erkrankung gibt. Und es gibt Forschung dazu, dass bei Partnern von Depressiven mit der Zeit ähnliche Depressionswerte gemessen werden wie beim Erkrankten selber. Es ist also sicher auch eine Wechselwirkung da.

    Ich denke, die Frage ist ganz einfach: Wie viel bist du bereit zu ertragen? Wie viel vom Leiden des Anderen kannst und möchtest du mittragen. Ich denke, da ist es enorm wichtig ehrlich zu sich zu sein. Und es kann eine sehr gesunde Haltung sein, an einem bestimmten Punkt zu sagen: Nein, ich möchte diese Beziehung, in der Form wie wir sie leben, nicht mehr aufrecht erhalten.
    Man ist kein schlechter Mensch deswegen. Man ist einfach ein Mensch mit Schwächen und Begrenzungen, wie jeder andere auch.
     
    Zuletzt bearbeitet: 08.11.2017
    08.11.2017 #14
  15. fafner

    fafner

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    Hast Du Dich schon über Krebs informiert und was es bedeutet, wenn es Dich erwischt? Wer macht denn so was?
    Das ist natürlich eine einfache Methode, sich zur Beendigung auch noch ein "reines Gewissen" einzuschenken. Schließlich hat das Gegenüber ja ein Problem und ist irgendwo auch noch selbst schuld ("will sich nicht helfen lassen" etc.)
    Vielleicht verursachen solche Depressionen ja auch unempathische Partner... o_O
     
    Zuletzt bearbeitet: 08.11.2017
    08.11.2017 #15