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Keine Lust mehr auf das Single-Leben?
  1. Jusika123
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    Partnersuche trotz Krankrankheit

    Sollte ich wirklich versuchen einen neuen Partner zu suchen, wenn ich schwerwiegend erkrankt bin?
     
    18.09.2012 #1
  2. Markus Ernst
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    AW: Partnersuche trotz Krankrankheit

    Liebe Jusika123,
    es ist erst ein paar Tage her, da hatte ich ein Gespräch im Coaching für PARSHIP mit ganz ähnlichem Inhalt – die Frage des Anrufers war, wie er mit seiner schweren Erkrankung bei der Partnersuche umgehen soll. Grundsätzlich steht eine schwere Erkrankung aus meiner Sicht in keinem Fall im Widerspruch zur Partnersuche. Ganz im Gegenteil. Die Antwort auf Ihre Frage hängt vielmehr von einigen wichtigen persönlichkeitsspezifischen Aspekten ab.

    Zum einen spielt das Stadium der persönlichen Krankheitsverarbeitung eine wesentliche Rolle. Mit anderen Worten: in wieweit haben Sie Ihre Erkrankung akzeptiert und in Ihr Leben integrieren können? Dieser Punkt ist meines Erachtens sehr wichtig, da eine nicht „angenommene“ Erkrankung andernfalls in einer entstehenden Paarbeziehung immer wieder zu Konflikten und Unverständnis führen kann.

    Ein anderer wichtiger Aspekt ist der eigene Umgang mit der Krankheits-Thematik bei der Partnersuche: wann spreche ich darüber und wie spreche ich darüber? Als hilfreich hat sich hier eine relativ frühe Kommunikation der eigenen gesundheitlichen Situation erwiesen, gepaart mit der Erklärung, wie man selbst mit der Situation umgeht. Viele Menschen reagieren hilflos, wenn sie mit der Erkrankung des Gegenübers konfrontiert werden. Deshalb ist es wichtig, mit Einfühlungsvermögen zu handeln und den anderen nicht zu überfordern.
    In diesem Zusammenhang sollte man auch deutlich machen, dass es primär um die Suche nach einem Partner für eine (Liebes-)Beziehung geht und nicht um die Suche nach einem Menschen, der (ausschließlich) als Stütze in einer schweren Lebenssituation dienen soll. Hier liegt eine große Angst verborgen bei Menschen, die im Rahmen der Partnersuche auf Personen treffen, die schwer erkrankt sind.

    Positiv wirkt sich sicherlich aus, dass Sie in Ihrer Lebenslage bestimmt klarere Prioritäten gesetzt haben, besser wissen, was Sie wollen und nicht wollen. Ein Vorzug, der gerade bei der Partnersuche sehr wertvoll sein kann.

    Ich wünsche Ihnen sowohl gesundheitlich als auch bei der Partnersuche alles Gute!

    Herzliche Grüße,
    Markus Ernst
     
    20.09.2012 #2
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  3. Jusika123
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    AW: Partnersuche trotz Krankrankheit

    Lieber Markus Ernst,
    danke für Ihren Beitrag.
    Seit meinem 17. Lebensjahr muss ich mich mit meiner Erkrankung identifizieren und auseinandersetzen. Nach so vielen Jahren bin ich in der Lage meine Krankheit zu akzeptieren und damit zu leben. Ich meistere alle alltäglichen und außergewöhnlichen Anforderungen sehr gut alleine. Ich suche keinen Helfer, ich suche einen Partner, der damit umgehen kann. Einen Partner, der mir Nähe, Geborgenheit und Liebe geben kann. Der mich in die Arme nehmen kann, an den ich mich auch mal anlehnen kann und mich so nimmt wie ich bin. Alles andere habe und besitze ich. Ich habe keine Altlasten, die ihn belasten könnten. Mein Leben habe ich immer alleine geregelt und gemeistert, ich konnte mich auf keinen verlassen, da war ich verlassen. Denn sind wir doch mal ehrlich, sobald kleinere Krisen zu bewältigen sind zieht sich heutzutage er/sie zurück und geht eigene Wege. Und meine Erkrankung ist nun so, dass immer wieder Krisen autreten, d.h. er muss dies ebenfalls akzeptieren, er muss auf Intimitäten und Sex auch mal für längere Zeit verzichten können und letzteres wird dann für viele Männer ein enormes Problem.
    Ich hatte Partner, die mir schworen, sie könnten verzichten, das hielt nicht all zu lange. Schon nach dem 3./4. mal Verzicht pochten sie entweder auf ihr Recht oder suchten anderweitig Befriedigung.

    Sie sind doch ein Mann - gehen Sie doch mal tief in Ihr Inneres. Wenn Sie ihre Partnerin in die Arme nehmen, liebkosen und eine ungezähmte Lust in Ihnen aufsteigt, wie oft würden Sie eine Zurückweisung, die eigentlich keine ist, sie aber als solche empfinden, was verständlich ist, hinnehmen und akzeptieren.
     
    21.09.2012 #3
  4. Lars Schöning
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    AW: Partnersuche trotz Krankrankheit

    Hallo Jusika123,

    in ihrem Beitrag wird viel Frust/Enttäuschung deutlich. Ich kann natürlich nicht präzise auf ihre Frage antworten, da nicht genau weiß, welche körperliche oder psychische Erkrankung Sie haben und welche Einschränkungen damit verbunden sind.

    Eine schwerwiegende Erkrankung kann - wie sie es selbst beschreiben- natürlich nicht nur den Erkrankten einschränken, sondern auch sekundär den Partner. Der Partner muss dann auf gewisse Dinge verzichten können. Das Verzichten fällt natürlich nicht allen leicht, besonders wenn es wiederholt auftritt. Dieses kann natürlich den Aufbau einer Partnerschaft erschweren. Ein möglicher Partner müsste mit der Einschränkung gut umgehen können und offen dafür sein, z.B. den Umgang mit der "sexlosen" Zeit zu besprechen. Entsprechend kann es vielleicht schwerer sein, einen neuen Partner zu finden, aber nicht unmöglich. (Es gibt aber auch Männer, denen Sex nicht so wichtig ist, die selber selten Lust auf Sex haben. Auch wird es einige Männer geben, die mehr Verständnis oder eine höhere Frustrationsschwelle für gewisse Einschränkungen haben.)

    Andererseits stellt sich auch die Frage, ob es eine Möglichkeit gibt, dass Sie selber einen anderen Umgang damit finden können. Gibt es etwas, was sie tun könnten, damit es für den Partner "angenehmer" wird bzw. die Einschränkung abgemildert wird?

    Ihr Lars Schöning
     
    23.09.2012 #4
  5. Jusika123
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    AW: Partnersuche trotz Krankrankheit

    Hallo Lars Schöning,

    vielen Dank für Ihren Beitrag. Frustration würde ich eingentlich nicht sagen, sondern viel mehr Enttäuschung. Ich hatte stets jahrelange Partnerschaften, d.h. die kürzeste dauerte 5 Jahre, dann folgte meine Ehe (Zusammenleben und Ehe) insgesamt 18 Jahre und zuletzt 9 Jahre mit einem neuen Partner.
    Zum ersten Partner: Die ersten 3 Jahre verliefen gut, doch als sich meine Krankheitsschübe in kürzeren Abständen auftraten, (enorme Schmerzen im Unterbauch, Erbrechen und massiver Durchfall) flüchtete er, hatte Affären mit anderen Frauen, was sich bei mir widerum mit Infektionen in der Scheide bis hoch zum Gebärmuttermund äußerte. Bis ich dann nach 2 Jahren von meinem Gynäkologen aufgeklärt wurde, woher diese Symptome kamen. (Bakterienübertragung vom Partner, der häufig Sexpartner wechselt) Darauf beendete ich die Partnerschaft.
    Mein Ehemann war zuvor 8 Jahre mein Lebensgefährte, hatten eine gemeinsame Wohnung, bekamen Kinder und heirateten schließlich. Nach der 2. Geburt ging es mir immer schlechter, konnte kaum noch was essen und trinken. Ich magerte ab bis ich nur noch 38 kg wog, dass in dieser Zeit kein Sexualleben meinerseits mehr zu denken war, da ich auch noch so starke Schmerzen hatte und Morphium bekam, kann sich jeder denken und nachvollziehen. Mein Ehemann hielt es nicht für angebracht sich um mich und die Kinder zu kümmern, er seilte sich ab. Er ließ sich (auf seinen Wunsch) arbeitsbedingt ins Ausland, nach Amerika, Taiwan u. a. Länder versetzen, damit er mein Elend nicht länger mit anschauen muss. (Sein persönlicher Wortlaut) Er kam erst wieder, als er von seinen Eltern erfuhr (per Telefonat), dass ich in einer Uniklinik operiert (1995) worden bin. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte kein Arzt eine eindeutige Diagnose stellen. Trotz jahrelanger vieler Untersuchungen, wie Darmspiegelung, Darmkontrastaufnahmen, Ultraschall, CT und MRT. Weil sich mein Blutbild so verschlechtert hatte und ich in einem Kernkraftwerk arbeitete, wurde die Diagnose Leukämie im Endstadium gestellt (Begründung: ich hätte eine zu hohe Dosis an Strahlung abbekommen). Nach einigen Monaten erfuhr ich dann in einem Gespräch mit meinem Ehemann, dass auch er in der Zwischenzeit andere Frauen hatte. Was ich ihm auch nicht für übel nahm, es verletzte mich auch nicht, ich konnte es nachvollziehen. Doch anschließend veränderte er sich dermaßen, dass ich den Mann, den ich einmal kannte nicht mehr hatte. Er verschloss sich mir gegenüber immer mehr, konnte keine Gespräche mehr führen und wurde so phlegmatisch, dass ich unseren Hausarzt aufsuchte. Mein Mann weigerte sich einen Arzt zu konsultieren, ging nicht mehr arbeiten und saß nur noch zu Hause vor dem Fersehapparat. Ich habe 2 Jahre nach der OP wieder gearbeitet, obwohl ich mein Körpergewicht noch nicht wesentlich erhöht hatte (44 kg u. Kurzdarmsyndrom) und von Dauerdurchfall geplagt wurde. Tagsüber habe ich auf Essen verzichtet, damit ich arbeiten gehen kann. Weil ich ihm sagte, ich könne nicht alleine alles schaffen, erwiderte er kurzerhand, ich könne einen Ekortservice eröffnen, das wäre nicht so Zeitintensiv, wäre tagsüber bei den Kindern und ihm und hätte im Monat leichter die 5.000,00 DM verdient. Die Kinder waren überwiegend bei meinen Eltern untergebracht, weil er sich nicht um sie kümmerte. Als ich ihm nach 4 Jahren Kampf (die Ehe zu retten) eröffnete, ich werde mich scheiden lassen, war seine ganze Antwort: Wo willst du denn mit den beiden Kindern schon hingehen. 2002 wurde die Ehe geschieden. Wieder stürzte ich mich in die Arbeit und sorgte für meine Kinder. Mein Ex-Ehemann hat sich bis heute weder bei den Kindern gemeldet, noch hat er sie besucht oder Kontakt aufgenommen. Als die Kinder in der Trennungsphase bei ihm anriefen, ließ er seine Telefonnummer ändern.
    Gut ein Jahr später lernte ich dann einen Mann kennen, der in den ersten Monaten ein exzellenter Schauspieler war. Ich habe ihm von Anfang an von meiner chronischen Erkrankung erzählt, bevor es zu Intimitäten kam. Seine Worte: Das macht mir nichts aus auch für längere Zeit auf Sex zu verzichten, es ist auch schön zu kuscheln. Bis ich bemerkte, dass er Alkoholiker ist. Ich brach die Verbindung ab, aber er ließ sich nicht so abweisen. Zuerst bedrohte er meinen Sohn mit einem Fleischermesser, weil er mir zu Hilfe kam. Trotz Polizei und einer Anzeige nach der anderen, Unterlassungsurteil nahm die Tyrannei kein Ende. Mein Auto wurde verkratzt, die Reifen zerstochen, vor der Wohnungstür Feuer gelegt und Morddrohungen auf den AB hinterlassen. Als es schließlich 2009 zur Verhandlung kam, wurde er wegen wiederholtem Fahren ohne Fahrerlaubnis und Trunkenheit am Steuer verurteilt und in eine Entzugsklinik eingewiesen. Doch die Auswirkungen auf meine Erkrankung waren drastisch. Zuerst wurde ein tumorartiges Geschür im Dickdarm festgestellt, dann bekam ich immer wieder Stenosen im Dickdarm, enormer Gewichtsverlust bis hin zum Suizidversuch Ende 2008. Endlich 16 Monate Ruhe und ich fand meinen inneren Frieden wieder, aber durch den Dauersstress, -ärger und -arbeitsunfähigkeit (Arbeitsverbot seitens der Krankenkasse und Rentenversicherung 2007) sammelte sich Eitersekret in der Bauchhöhle und verursachte mehrere Fisteln, die sich ihren Weg duch den Unterbauch bahnten und zwei Ausgänge (links und rechts) am Damm zwischen Scheide und After öffneten. Seit fast 2 Jahren werde ich nun alle 3 Monate operiert, weil sich die Fadendrainage und der Vessel-Loop immer wieder mit Sekret verkleben. Sie müssen neu gesetzt werden und die Wundöffnung wird nicht verschlossen. Zudem muss ich nach jedem Stuhlgang die äußere offene perforierte kräftig spülen, damit sich von außen keine Bakterien ansiedeln können. Und nach Meinung der behandelnden Ärzte müssen nun noch weitere OPs und evtl. eine Gewebeverpflanzung vorgenommen werden, ebenfalls muss die Perforierung wieder verschlossen werden. Wie schließlich das Endergebnis ausfallen wird können sie nicht vorhersagen.
    Eine Anmerkung möchte ich noch loswerden. Ich hege keinen Groll auf meine Ex-Partner, denn sie wissen nicht was sie tun. Und jeder von ihnen hat auch gute Seiten an sich. Ich habe ihnen verziehen, vergessen ist nicht möglich. Denn die schönen Stunden und Tage waren es wert erlebt zu werden. Meinem Ex-Ehemann verdanke ich die beiden wundervollen Kinder, ohne ihn gäbe es die beiden nicht.
    Hinzufügen möchte ich noch, dass man mir die Erkrankung äußerlich nicht ansieht, außer dass ich ziemlich schlank bin. Ich lege sehr viel Wert auf mein Erscheinungsbild und musste feststellen, dass selbst Freunde und Bekannte verwundert und erstaunt sind.
    Nach meinem Nah-Tod-Erlebnis 1995 bei der OP haben sich meine Denkschemas, meine ganzen Empfindungen und meine Ansichten zum Leben, zu Menschen und allem anderen erheblich verändert. Dieses Licht gibt einem soviel Wärme, Geborgenheit und ich weiß bis heute nicht wie ich es in Worte fassen kann; und trotzdem habe ich entschieden nicht dort zu bleiben.
    Ist es mit der "Liebe" nicht ähnlich.
    Darf, kann und sollte ich es wirklich noch einmal versuchen einen Partner zu finden? Es wirft so viele Fragen in mir auf.
     
    23.09.2012 #5