Love is in the air, Chapel of love, I think I love you - schon morgens früh um sechs liegt Liebe in der Radioluft. Zu den Kuriositäten der Popmusik gehört, dass die allerbesten Songs das Wort Love in einen weniger erfreulichen Kontext setzen. Die verlorene oder unerfüllte Liebe schafft offensichtlich die besseren poetischen Gedankengänge für die musikalische Dreiminutengeschichte.
Suchen Sie eine Liste der hundert besten Lovesongs für Hochzeiten? Oder darf es eine mit den zehn traurigsten Liedern für die Zeit nach der Liebe sein? Im Internet findet sich alles. Wer in den Listen stöbert, kann Jugenderinnerungen aufleben lassen. Können Sie sich noch erinnern, in welchem Song Sie das Wort Love zum ersten Mal aus dem Lautsprecher in der Disko gehört haben? Oder wie grausam das Wort Love in Ihren Ohren klang, als die erste Liebe nach ein paar Tagen Vergangenheit war?
Steht Ihnen der Sinn nach Everlasting Love? Dann kennen Sie ja sicher schon die Schattenseiten der Suche danach. Der Mailkontakt ist unterhaltsam. Das Telefonat spritzig. Doch beim ersten Date keine Spur von Love & Co. Mit Glück reicht es für ein Bier. Wie kann das passieren? Die Antwort heisst Chemie. Verlieben sich zwei Menschen, kommt es zu einem biochemischen Feuerwerk. Dem Körper signalisieren Gehirn und Hormone: "Love is in the air". Jetzt brauen alle Organe eine Art Drogen-Punsch. Erst damit werden die Emotionen der Liebe möglich.
Biochemisch gesehen sind Verliebte krank: Ihr limbisches System hat die für Traurigkeit und Depression zuständigen Hirnareale abgeschaltet. Der Körper setzt Dopamin und Endorphine frei. Diese körpereigenen Drogen versetzen uns in den Zustand der Euphorie und sorgen für Wohlbefinden. Der Serotoninspiegel sinkt bei Verliebten auf den Wert von Zwangsneurotikern. Genau wie diese können sich auch Verliebte stundenlang mit nur einer einzigen Sache beschäftigen: Also love, love, love.
Wenn Sie beim Date statt eines Feuerwerks ein kalter Guss erwartet, liegt es also nicht an Ihrer Figur oder an dem Job Ihrer Bekanntschaft. Die Chemie stimmt einfach nicht. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Menschen, die sich in einer abenteuerlichen Situation kennen lernen, grössere Chancen haben, sich zu verlieben. Ob eine Wildwasserfahrt oder ein Kletterabenteuer Adrenalin und Pheromone günstiger beeinflussen, muss am Ende jeder für sich selbst testen
In diesem Sinne: Mit der nächsten Kontaktanfrage kommt vielleicht schon das Glück ins Haus. Wer weiss, vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal mit dem Liebescocktail. Will you love me tomorrow oder Saving all my love for you: Für romantische Vielfalt aus dem Lautsprecher ist bei den folgenden Verabredungen jedenfalls gesorgt.
Maya Kristin Schönfelder/PARSHIP